1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Obamas Regierungs-Team: Alte Hasen und Nobelpreisträger

  6. >

Archiv

Obamas Regierungs-Team: Alte Hasen und Nobelpreisträger

wn

Außenministerin: Hillary Clinton

Stärken: Hillary Clinton trägt einen politischen Marken-Namen, der überall Türen weit öffnet. Sie ist parkettsicher auf der Weltbühne und zudem rhetorisch gestählt durch einen Marathon-Wahlkampf.

Schwächen: Neigte zu Übertreibungen, was ihre außenpolitischen Erfahrungen als First Lady angeht. Ehemann Bill Clinton nahm Millionen-Spenden von Staaten wie Saudi-Arabien oder Indien an, mit denen Hillary nun verhandeln soll.

Es bleiben die Kernfragen: Kann der Ex-Präsident Bill Clinton vier Jahre stillsitzen, während die Gattin Weltpolitik betreibt – oder wird er hinter den Kulissen zum Störfaktor für Obamas Regierung? Und wird Hillary Clinton in arabischen Staaten als Verhandlungspartnerin akzeptiert werden? In einer Kultur, die Frauen in der Politik traditionell geringschätzt und ihnen – siehe die glücklose Außenministerin Condoleezza Rice unter George W. Bush – Erfolge schwer macht?

Vize: Joe Biden

Stärken: Außenpolitisch ein alter Hase. Mit allen Winkelzügen der Hauptstadt vertraut. Könnte im Notfall Obama sofort ersetzen, ohne dass man Kompetenzmangel im „Oval Office“ fürchten müsste.

Schwächen: Neigt zu Geschwätzigkeit und misslungenen, gelegentlich peinlichen Scherzen. Vorwarnung an das Protokoll in Washington und London: Bitte niemals mit Prinz Philip an einen Tisch setzen!

Verteidigung: Robert Gates

Stärken: Robert Gates ist ein erfahrener Washington-Insider. Benötigt – weil Übernahme aus dem Bush-Kabinett – keine Einarbeitung für die Dauer-Krisenzonen Afghanistan und Irak. Gilt in Washington als loyal, aber nicht diskussionsscheu. Respektiert von der US-Militärführung und beiden Parteien im Kongress für seine Aufräum-Arbeiten nach der desaströsen Rumsfeld-Ära. Setzt wie Obama auf den Grundsatz: Diplomatie zuerst.

Schwächen: Für manche eingeschworene Obama-Fans ist Gates nicht der „Change“, den sie sich erträumt haben. Wirkt oft zurückhaltend-introvertiert. Schlägt er im Ernstfall einmal mit der Faust auf den Tisch?

Handel: Bill Richardson

Stärken: Früherer UN-Botschafter der USA, versiert auf dem diplomatischen Parkett – was ihm bei schwierigen Verhandlungen mit China und Europa zugutekommen wird. Wurzeln als „Latino“, spricht fließend Spanisch – im Umgang mit Lateinamerika ein enormer Vorteil.

Schwächen: Hatte – weil fachlich besser qualifiziert als Hillary – auf das Außenamt gehofft. Kann er trotz der Enttäuschung den „Trostpreis“ effektiv verwalten?

Justiz: Eric Holder

Stärken: Vollblut-Jurist mit besten fachlichen Referenzen. Enger Vertrauter Obamas schon vor dem Wahlsieg.

Schwächen: Zwielichtige Rolle bei Begnadigungen, die Ex-Präsident Bill Clinton am letzten Arbeitstag aussprach – unter anderem für den Betrüger und Milliardär Mark Rich, dessen Frau eifrig an die Clintons gespendet hatte. Bei der erforderlichen Bestätigung Holders durch den Kongress wird dies zur Sprache kommen.

Finanzen: Timothy Geithner

Stärken: Jung, dynamisch. Als New Yorker Boss der „Federal Reserve“ extensive Erfahrung im Umgang mit der Wall Street – und den damit verbundenen Krisen.

Schwächen: Ließ zusammen mit Notenbank-Chef Bernanke und Bushs Finanzminister Paulson die Traditionsbank Lehman Brothers kollabieren, nur um zwei Tage später den AIG-Konzern zu retten. Das weckt Zweifel an strategischem Denken und konsequentem Handeln.

Sicherheit: James Jones

Stärken: Der Sicherheitsberater gibt sich überparteilich. Leitmotiv: „Keine Partei kann und darf die nationale Sicherheit für sich beanspruchen.“ Der Ex-Viersterne-General war Nato-Oberbefehlshaber in Europa, kennt die Wünsche und Bedenken der Europäer aus dem Effeff.

Schwächen: Kein Diplomat. Als gelernter Militär – er erntete Orden in Vietnam – könnte er sich mit Obamas Prinzip der „soft power“ schwer tun.

Energie: Steven Chu

Stärken: Der Energieminister Steven Chu ist ein kluger Kopf, gewann 1997 den Physik-Nobelpreis. Fordert schnelle und massive Anstrengungen gegen den Klimawandel „ohne Schlupflöcher“.

Schwächen: Keine Erfahrung auf politischen Ebenen – was manchmal aber auch eine Stärke sein kann.

Startseite