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Offensiv-Motor stottert

Gerd Jakobi

Münster. Der Boden war bereitet, es sollte ein rauschender Fußballabend werden. 5830 Zuschauer, mehr als je zuvor in dieser Saison, strömten gestern Abend ins Preußenstadion um gegen Gladbeck den fünften Sieg in Folge zu erleben und zu genießen. Die Party fiel aus, am Ende stand ein etwas enttäuschendes 0:0.

17 Tore hatte der Spitzenreiter der Fußball-Oberliga in den bisherigen sechs Saisonspielen erzielt, sechs Mal überzeugend gespielt und manchmal auch gezaubert. Doch gestern Abend kam der Preußen-Motor, der seit Saisonbeginn auf vollen Touren dreht, nicht in Schwung und erreichte nicht die gewünschte Drehzahl. Gleichwohl hat die Mannschaft nicht enttäuscht, sie versuchte alles, aber es reichte nicht. Es gibt solche Spiele, auch sie gehören zum Fußball-Alltag.

Nur etwas Pech vereitelte am Ende den Erfolg. Zwei Minuten vor Schluss traf Kapitän Orhan Özkara nach einem Freistoß von Massih Wassey nur den Pfosten, den Abpraller drückte Uwe Seggewiß über die Linie. 5830 Zuschauer brachen in kollektiven Jubel aus, weil der Schiedsrichter auf Tor entschied und zur Mitte zeigte. Aber da war noch sein Assistent, der die Fahne hob. „Beim Schuss des Münsteraners stand ein Mitspieler kurz vor der Linie, dieser hat den Ball noch berührt, und deswegen war es Abseits“, klärte Michael Wellmeier später auf.

Was keiner akzeptieren wollte, gab Uwe Seggewiß unumwunden zu. „Ja, es stimmt, Timo Scherping hat den Ball noch berührt, der aber ohnehin ins Tor gegangen wäre. Jetzt müssen wir mit einem Punkt zufrieden sein“, haderte der zurückgepfiffene Torschütze.

Die Preußen kamen nie so in Schwung wie in den ersten Begegnungen. Gegen den geschickt und konsequent verteidigenden Aufsteiger fanden sie nicht das notwendige Mittel. In jedem Spiel zuvor erspielten sie sich unendlich viele Chancen, gegen den Aufsteiger gab es bis zur Pause nur eine einzige Möglichkeit, als Michael Erzen freistehend mit einem Kopfball vergab. „Bis zum Strafraum haben wir ganz gut gespielt. Aber uns fehlte die Entschlossenheit in Tornähe, manchmal spielten wir zu kompliziert. Zumindest haben wir kein Gegentor zugelassen. Wir müssen das Ergebnis akzeptieren, Gladbeck hat sich den Punkt verdient“, gestand SCP-Trainer Roger Schmidt.

Die knapp 20-minütige Unterbrechung nach der Pause half dem Gast mehr als Münster, das den Druck zwar erhöhte, doch den Gegner nur sehr selten ernsthaft in Gefahr brachte. „Genau so hatte ich es mir erhofft, wir wollten vielbeinig verteidigen, weil die Preußen viele schnelle Spieler Reihen haben und in der Offensive hervorragend sind. Unser Plan ist aufgegangen. Es war ein tolles Erlebnis für uns alle vor einer überragenden Kulisse“, strahlte Gladbecks Trainer Guido Naumann, und feierten das Ergebnis wie einen Sieg.

Trotz des Punktverlustes wird Roger Schmidt an seiner Marschrichtung nicht viel verändern, schließlich war sie bisher überaus erfolgreich. Gestern hakte es in vielen Teilen. Auch bei Mehmet Kara, der bisher überragende Leistungen im kreativen Mittelfeld gezeigt hat. Gegen Schermbeck fehlten seine Ideen und Geniestreiche. Und dennoch hätte der Tabellenführer gewonnen, wenn da nicht der aufmerksame Schiedsrichterassistent gewesen wäre.

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