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Leser haben 28.000 Euro gespendet

Ohne Familie - aber mit viel Hoffnung

Stefan Werding

Münster - Das rote Kopftuch ist zu klein, um die Narbe zu verdecken. Er läuft, als ob in seinen Turnschuhen rostige Nägel stecken. Die Füße schmerzen so sehr, dass sich Peter Egyed im Wartezimmer der Radio-Onkologie der Uniklinik Münster schnell hinsetzt. An eine Tafel hat jemand „hier wird mir geholfen, mein Leben zu erhalten“ gekritzelt. Darum ist Peter hier.

Der 14-jährige Junge aus Rumänien leidet an einem Hirntumor und hat nur eine Chance zu überleben, weil es lauter Menschen in Deutschland gibt, die ihm helfen. Die Eheleute Hermann und Gesine Metelerkamp aus Nordhorn etwa, die einen Kredit von 70.000 Euro aufnahmen, um seine Operation zu bezahlen.

Die Spender aus dem Münsterland, die seit einem Bericht in unserer Zeitung 28.000 Euro für den Jungen überwiesen und Hermann Metelerkamp völlig überrascht haben. Die Ärzte, die Peter wieder Hoffnung machen. Die hatten seine Eltern nicht, als sie die Diagnose in ihrer Heimat erfuhren. Eine Ärztin aus Münster, die dem Jungen und seiner Mutter ihre Wohnung gab, damit es die beiden während der Strahlentherapie näher bis zur Klinik haben.

Zweimal am Tag schleppt sich Peter nun auf seinen schmerzenden Füßen - eine Nebenwirkung der Therapie - ins Krankenhaus. Peter gibt alles, um wieder gesund zu werden. Er weiß sehr genau, um wie viel es geht. Er ist zu clever, ihm das zu verheimlichen.

Das Wochenende verbringt er bei den Metelerkamps, spielt Klavier. Zwischen den Strahlenbehandlungen löst er die Aufgaben, die ihm seine Lehrerin nach Deutschland mailt. Er hat am Ende dieses Schuljahrs eine wichtige Prüfung. Die will er bestehen. Und er hat etwas zu tun.

Sonst spielt Peter mit seinem Vater übers Internettelefon „Skype“ Schach oder spricht mit seinen beiden jüngeren Brüdern. „Das ist das Schwerste“, sagt seine Mutter Julie Egyed - dass die Familie so weit weg ist. Die beiden werden sie für ein Jahr nur sporadisch sehen. Aber sie lassen keinen Zweifel daran, dass sie sich davon nicht von ihrem wichtigsten Ziel abhalten lassen: Dass Peter wieder gesund wird.

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