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„O’Horten“: Lokführer ohne Fahrplan

Hans Gerhold

Mit 67 Jahren tritt Lokführer Odd Horten (Bard Owe) in der norwegischen Weihnachtskomödie „0’Horten“ seine vorletzte Dienstfahrt an. Er wird geehrt, soll bei einem Kollegen feiern und gerät in der Nacht durch eine Verkettung misslicher Umstände nicht in die gesuchte Apartmentwohnung, sondern an einen Jungen, bei dem er Babysitter spielen muss. Horten schläft ein, verpasst seine letzte Dienstfahrt und muss in der Folgezeit mit der Pensionierung zurecht kommen...

Was Horten so erlebt, ist in der leicht märchenhaften Komödie von Bent Hamer („Eggs“, „Kitchen Stories“, „Factotum“) zu einem Film geworden, der Alter als sanften Abhang beschreibt. Horten ist ein Einzelgänger, der gern sein Pfeifchen raucht, den nichts erschüttern kann, der wie ein Wellensittich im allerdings selbst gewählten Käfig sitzt und das Leben jenseits von Eisenbahnstrecken und Leitständen von Lokomotiven erst entdecken muss.

Das geschieht in der Begegnung mit einer Apothekerin (Ghita Norby), mit einem Weltreisenden, der ihn zu einer nächtlichen Blindfahrt mit dem Auto einlädt, mit einem Hund und zuletzt mit Skiern, mit denen er sich auf Oslos Holmenkolm traut. Horten hat ein verpasstes Leben geführt, aber der Film zeigt warmherzig und lakonisch, dass es für Poesie und Überraschungen nie zu spät ist.

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