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Opec kämpft für hohe Ölpreise

Jürgen Stilling

Münster/Oran - Der sich abzeichnende Beschluss hat historische Dimensionen: Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) will mit der bisher größten Drosselung ihrer Produktion um 2,2 Millionen Barrel (159 Liter) den Ölpreisverfall an den internationalen Märkten stoppen. Bei der Opec-Konferenz in Oran (Algerien) gab es am Mittwoch einen breiten Konsens.

Doch die Hoffnung der Ölförderländer, die drastische Talfahrt der Preise könne nachhaltig gestoppt werden, scheint zu trügen. Marktexperten wie Heino Elfert vom Energieinformationsdienst (EID) in Hamburg sind sicher, dass die Opec den drastischen Nachfrageschwund durch die weltweite Wirtschaftskrise auch durch massive Produktionskürzungen nicht ausgleichen kann. „Die Preise fallen weiter“, prognostizierte Elfert im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der EID-Fachmann verwies auf den Beschluss der Opec vom Oktober dieses Jahres, die eine Produktionskürzung um 1,5 Millionen Barrel vorsah. „Die ist zum Teil noch nicht umgesetzt wurden, zum Teil an den Märkten verpufft“, betonte Elfert. Auch wenn es eine dritte Fördersenkung im ersten Quartal 2009 gebe, sei eine Preiswirkung unwahrscheinlich. Die Konjunkturflaute schwäche die Nachfrage so stark, dass die Preise auch im kommenden Jahr zunächst unter Druck blieben, sagte Elfert.

„Angesichts der Reife der Opec bin ich überzeugt, dass alle Entscheidungen die Folgen für die Weltwirtschaft in Rechnung stellen“, teilte der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika mit. Bouteflika rief dabei die Industriestaaten auf, energischer für die Rückkehr zu dauerhaftem Wachstum zu handeln.

Das Anbieterkartell bekam Unterstützung von Russland, das mit einer starken 20-köpfigen Beobachterdelegation nach Oran gereist war. Der russische Vizeministerpräsident Igor Setschin versprach eine Senkung der russischen Förderung 2009 bis um maximal 350 000 Fass pro Tag, wenn der Preis sich nicht verändere. Russland möchte als Ständiger Beobachter bei der Opec mitmachen. Auch Aserbaidschan, Syrien und Oman waren als Beobachter in Oran dabei.

Am Vortag war der Preis für Opec-Öl um 1,79 auf 40,74 Dollar gefallen. Ein Barrel der US-Referenzsorte WTI zur Auslieferung im Januar kostete am Mittwoch 44,45 Dollar. Das waren 85 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag.

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