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Ordentlich was auf der Pfanne

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Von Peter Berger

Borken. Dustin Lehmkuhl kümmert sich rührend um das Bohnengemüse. „Die Kelle ist ein bisschen größer als zu Hause, oder?“, sagt der Koch und lässt das paddelähnliche Hilfsmittel durch den Kessel kreisen. 120 Portionen macht der 24-Jährige in der Kreishaus-Kantine gerade „versandfertig“. Sie gehen außer Haus an die Neumühlenschüler.

Alles andere, täglich ein Mehrfaches von 120, wird über die Selbstbedienungstheke im Erdgeschoss des Kreises gereicht. Die alles in allem 900 Mitarbeiter der Kreisverwaltung wollen sich ja nicht nur von Luft und mitgebrachten Stullen ernähren. Spätzle-Gemüse-Pfanne, Grünkohl mit Mettwurst und Dicke Rippe mit Kartoffeln und Sahneböhnchen stehen auf dem Menüplan - auf Wunsch gibt´s auch halbe Portionen.

Ab 11.45 Uhr ist Mittagstisch. Da heißt es für den Koch und seine Kollegen früh ranklotzen. Fünf gehören zum harten Kern der Küchentruppe. Um 7 Uhr geht´s los. Nachdem die belegten Brötchen für die frühstückspausierende Belegschaft fertig ist, „geht es direkt an die warmen Gerichte“. Bei Adam und Eva muss das Team nicht mehr anfangen. Die Kartoffeln beispielsweise werden schon geschält angeliefert.

Dustin Lehmkuhl war zunächst als Restaurantkoch tätig, bevor er im Kreishaus anfing. „Man tastet sich an die Mengen heran“, erinnert er sich an seine ersten Monate im neuen Job. Wo früher eine Prise Salz oder Gewürz reichte, nimmt er heute die ganze Hand voll.

Ein Schwerpunkt liegt auf Hausmannskost. „So wie bei Muttern“, fasst Johanna Willing, seit zehn Jahren die Pächterin der Kreishaus-Küche, die Küchen-Philosophie zusammen. Nein, „Hochzeitsessen“ könne man nicht bieten. Sehr beliebt sei der allwöchentliche „Schnitzeltag“. Zum Beispiel am heutigen Mittwoch. Wobei auch Vegetarier auf ihre Kosten kommen: „Ofenkartoffel mit Kräuterquark und Salat“, lautet die Alternative.

Es ist kurz vor 11 Uhr. Den leeren Riesentopf, in dem zuvor das Bohnengemüse köchelte, spült Lehmkuhl zum Vorreinigen mit heißem Wasser aus. Im zweiten Kessel ist der Grünkohl servierfertig. Die Mettwürstchen stehen bereits im Warmhaltebecken parat. Bis zur Speisung der Kreisverwaltung ist es nicht mehr weit. Zwischendurch spurtet der Koch zu einem Rollwagen mit der Wochenlieferung. Kistenweise Seelachs, Gemüse und andere Lebensmittel schafft er in die Kühlkammer (minus 24 Grad). Besonders im Sommer eine willkommene Abkühlung.

Ob er sich die zig Kochsendungen im Fernsehen ansieht? „Rach, den Restaurant-Tester schon, den Rest weniger“, antwortet Lehmkuhl. Nein, in dieser Hinsicht sei er gesättigt.

Um 15 Uhr ist Feierabend. Dann ist der Koch erstmal k.o. Zuhause kann sich Kochprofi Lehmkuhl durchaus zum Hobbykoch wandeln: „Zu einem Steak sage ich nicht Nein.“

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