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Politik Ausland

Pakistan ist empört über Terror-Vorwurf

unserem Korrespondenten Jochen Wittmann

London/Karachi - Downing Street atmet auf. Die diplomatische Verstimmung zwischen Pakistan und Großbritannien wird sich nicht wie gefürchtet zu einem Eklat auswachsen. Zwar hatte am Samstag der pakistanische Geheimdienst ISI ein Treffen mit britischen Kollegen in London abgesagt. Aber gestern wurde bestätigt, dass Pakistans Präsident Asif Ali Zardari auf seiner Europareise wie geplant auch Großbritannien besuchen und sich mit Cameron treffen wolle. Man hoffe auf „fruchtbare Gespräche“, betonten pakistanische Beamten.

Die diplomatischen Verwerfungen der Indien-Reise des Premiers scheinen sich demnach zur Erleichterung des Außenministeriums in Grenzen zu halten. David Cameron hatte sich mit Bemerkungen, die er in Bangalore machte, weit aus dem Fenster gehängt. Pakistan, sagte er dort zum Gefallen seiner indischen Gastgeber, dürfe nicht mehr „die Verbreitung von Terror unterstützen, ob nach Indien, Afghanistan oder sonstwo in der Welt“. Die Äußerungen stießen auf scharfe Kritik in Pakistan. „Solche unverantwortlichen Stellungnahmen“, drohte ein Sprecher des ISI, „können die Zusammenarbeit mit Großbritannien beeinträchtigen.“ Auf die ist das Königreich aber angewiesen. Rund eine Million Menschen mit pakistanischem Migrationshintergrund leben in Großbritannien. Die Terroranschläge auf die Londoner U-Bahn vom Sommer 2005 wurden von islamistischen Briten ausgeführt, die in pakistanischen Trainingscamps ausgebildet wurden. Um künftige Anschläge von sogenannten „hausgemachten“ Terroristen wirksam verhindern zu können, ist eine Kooperation mit dem pakistanischen Geheimdienst unverzichtbar.

Daher löste die Erklärung des ISI, sich wegen der „gegen Pakistan“ gerichteten Äußerungen Camerons nicht mit den britischen Sicherheitskräften treffen zu wollen, große Sorge in London aus. Downing Street beeilte sich zu versichern, dass der Premier nicht gemeint habe, dass die Regierung, sondern nur gewisse Kreise in Pakistan Terror unterstützen. Man versäumte auch nicht, darauf hinzuweisen, dass Pakistan einer der größten Empfänger britischer Entwicklungshilfe ist und dass die Zuwendungen über die nächsten drei Jahre um 40 Prozent steigen werden. Jetzt will man bei den Gesprächen zwischen Cameron und Zadari die Beziehungen wieder reparieren.

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