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Passen Deutsche Bank und Postbank nicht zusammen?

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Nürnberg – Die Deutsche Bank und die Postbank passen nach Ansicht des Nürnberger Bankenexperten Wolfgang Gerke nicht zusammen.

„Es gibt gewaltige Unterschiede. Man muss zwei sehr unterschiedliche Kulturen integrieren“, sagte der ehemalige Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Nürnberg-Erlangen und Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums in München am Freitag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Das Drumherum ist überhaupt nicht vergleichbar, die Kunden sind nicht vergleichbar.“

Traditionelle Postbank-Kunden seien beispielsweise weniger empfänglich für neue Produkte als Kunden der Deutschen Bank. Gerke geht davon aus, dass das Postbank-Logo zumindest vorerst erhalten bleiben müsse. „Ich würde ein großes Fragezeichen dahinter setzen, ob es sich für die Deutsche Bank lohnt, bei der Postbank einzusteigen“, sagte der Bankenexperte. „Ich hätte lieber im Ausland investiert.“ Bei der Dresdner Bank und der Commerzbank, die erst vor knapp zwei Wochen ihren Zusammenschluss bekanntgegeben haben, sieht Gerke große Synergien. „In diesem Fall frage ich mich aber sehr, ob der Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank notwendig ist.“

Gerke vermutet hinter dem Interesse der Deutschen Bank an der Postbank in erster Linie den Wunsch, möglichen Konkurrenten die Butter vom Brot zu nehmen. „Es handelt sich in erster Linie um eine Defensivstrategie. Ich gehe davon aus, dass die Deutsche Bank bei der Postbank erstmal nur einen Fuß in der Tür haben will, um anderen Banken den Markteintritt zu erschweren.“

Wie sich ein möglicher Zusammenschluss der beiden Banken auf die Arbeitsplätze dort auswirken werde, ist nach Ansicht Gerkes noch schwer einzuschätzen. „Langfristig wird man sicher Stellen streichen müssen. Besonders Doppelbesetzungen im Zentralbereich müssten abgebaut werden.“

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