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Paul McCartney in Köln - Nur das Kreischen fehlte

Köln - Eine Zeitreise in die 60er Jahre: Paul McCartney hat im Rahmen seiner "Good Evening Europe"-Tour das erste von zwei Konzerten in der Kölner Lanxess-Arena gegeben. Mit dem Höfner-Bass in der Hand erinnerte der Ex-Beatle zweieinhalb Stunden lang an die Pilzköpfe. Mit den rührenden Hommagen "Something" und "Here Today", bedankte er sich bei seinen ehemaligen Mitstreitern...

Carsten Vogel

Köln - Als das Licht in der Köln-Arena ausgeht, stürmen die Fans in die vordersten Reihen. Ein bisschen erinnert es an Beatles-Zeiten. Nur das Kreischen fehlt. Das liegt daran, dass das Publikum mit Paul McCartney groß geworden ist. Es ist im gesetzten Alter und darf in der ausverkauften Arena sitzen. Spätestens nach einer Stunde aber hält es keinen der 15 000 Zuschauer mehr auf den Plätzen.

Natürlich wählt der Ex-Beatle auch an diesem Abend die Songs aus seinem reichhaltigen Repertoire, die das Publikum mitklatschen und -singen kann. Den Beatles-Klassiker „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ kennen die Zuschauer von Karneval und schunkeln fröhlich im Takt. Den Refrain des ewigen Stadion-Sing-Alongs „Hey Jude“ dürfen abwechselnd die Frauen und die Männer singen. Dass das Publikum eher seine eigene Performance beklatscht, ist nebensächlich. Das ist es, was einen McCartney-Abend ausmacht: Schwelgen in seliger Erinnerung.

Ganze vier Songs der letzten beiden Alben verlieren sich in der Setlist. Dazu gesellt sich mit „I Want To Come Home“ ein Lied, das gerade für den Golden Globe nominiert wurde. Sonst gibt es die gewohnte Mischung aus Gassenhauern, Ohrwürmern und Schmachtfetzen. Oft reckt McCartney sein Instrument wie einen Pokal in die Höhe, aber seine alten Songs sind die Trophäen, die dem Abend seinen Glanz verleihen.

1975 sang der gebürtige Liverpooler in dem Lied „Rock Show“ von einem Sänger, der auf der Bühne wie ein Relikt aus vergangener Zeit wirke. Dagegen kämpft der mittlerweile 67-Jährige an. Altern will er partout nicht, und auch seine Rock Show klingt jugendlich, wie seit langem nicht. Einen großen Anteil daran hat seine Begleitband. McCartneys Verzicht auf Backgroundsänger und Bläser ist gewinnbringend für die Show. Das an Hippie-Zeiten erinnernde bunte Klavier früherer Konzerte ist einem seriösen schwarzen Piano gewichen. Die Show ist unprätentiös, unspektakulär, aber unglaublich gut.

Auch wenn er seine deutschen Ansagen mitunter ablesen muss: McCartney lacht verschmitzt, schäkert mit dem Publikum und hat den Schalk im Nacken. Doch auch die nachdenklichen Momente fehlen nicht. Mit „Here Today“ bringt er eine Hommage an John Lennon. Den von George Harrison geschriebenen Hit „Something“ spielt er auf der Ukulele, die ihm der jüngste Beatle hinterlassen hat. Und mit „Give Peace A Chance“ nutzt der Umweltschützer sogar die Möglichkeit, auf den Klimagipfel in Kopenhagen hinzuweisen.

Zweimal kehrt die fünfköpfige Band für Zugaben auf die Bühne zurück. Insgesamt präsentieren sie 36 Lieder in zweieinhalb Stunden. Da es weihnachtet, spielt McCartney erstmals auf der „Good Evening Europe“-Tour „Wonderful Christmas Time“. Im Hintergrund auf der großen LED-Leinwand fallen digitale Schneeflocken, während es draußen tatsächlich anfängt zu schneien. Selbst das gelingt an einem solchen Abend.

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