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Bewährungsstrafe

Philippinin betrügt Rentner um 24.400 Euro

wn

Rheine - Mit haarsträubenden Familiengeschichten, der angeblichen Erwartung einer riesigen Erbschaft aus einer Plantage auf den Philippinen und einem getürkten Überfall in Manila entlockte eine 53-jährige Philippinin aus Rheine einem 70-jährigen Rentner zwischen Februar und Juli 2009 insgesamt 24.400 Euro. Am Freitag verurteilte das Strafgericht unter Vorsitz von Richter Neukäter die Frau wegen Betruges in neun Fällen zu zehn Monaten mit Bewährung. Damit ging der Richter zwei Monate über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Als Bewährungsauflage muss die Angeklagte 300 Sozialstunden ableisten. Einmal war sie geringfügig vorbestraft wegen Unfallflucht bei Sachschaden. Das ungleiche Paar lernte sich Anfang 2009 im Internet kennen. Sie trafen sich ein paar Mal. Ernste Absichten für eine gemeinsame Zukunft habe es nicht gegeben. „Ich habe einen neunjährigen Sohn, er wollte mich allein“, sagte die Angeklagte. Nach ein paar Wochen lieh sie sich bei dem Rentner 1.900 Euro für eine Küche. Der 70-Jährige schloss einen Vertrag, dass sie ihm das Geld bei Trennung zurückzahle. „Wenn Du lieb zu mir bist, schenke ich sie Dir“, habe er ihr versprochen. Im März erzählte sie ihm, dass sie eine Erbschaft aus einer Plantage in Manila erwarte. Ihre Eltern wollten dort ihr Land an Hongkong-Chinesen verkaufen und ihren Kindern das Geld geben. Für die Anwälte in Manila und den Flug dorthin gab er ihr Mitte April 7000 Euro. Sie deutete an, dass sie das Geld für die Bestechung von Notaren und Polizisten gebraucht habe. Im Mai zeigte sie dem Rentner zwei Schecks aus USA über 450.000 Dollar und über 190.000 Dollar. Angeblich liege das Geld bereit, aber die Auszahlung könne erst später stattfinden, hätte sie ihm gesagt, so der Rentner auf dem Zeugenstuhl. Im Glauben daran zahlte er noch einmal mehr als 10.000 Euro für weitere Formalitäten auf den Philippinen. Aus Manila habe sie angerufen und gesagt, dass sie überfallen worden sei. Sie brauche zur Beschaffung von Papieren und für die Heimreise dringend 5000 Euro. Als er zögerte, drohte sie, dort zu bleiben. Aus Sorge um sein Geld schickte er ihr wiederum Bargeld über eine Direktbank in Rheine. „Sie haben damit Ihre ganze Familie auf den Philippinen versorgt, oder?“ fragte der Richter. Die Angeklagte wirkte diffus und erzählte abenteuerliche Geschichten über die Beerdigung ihrer Oma in England. Schließlich ließ sich der Richter ihren Pass zeigen, in dem außer einer einzigen Eintragung von einer Reise in die USA kein weiterer Landesstempel enthalten war. „In den USA habe ich meine Schwester verfolgt, weil ich keine Nachrichten von ihr bekam“, argumentierte sie. Der Rentner hatte ihr geglaubt. Sie erzählte ihm, in einem Krankenhaus in Rheine zu arbeiten. Dass sie verheiratet war, wusste er bis zu dem Gerichtstermin nicht.

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