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Platz eins für "Inglourious Basterds" - Tarantino ist Fan deutscher Schauspieler

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Zuerst denkt man, der Brühl spielt den Brühl, den netten Jungen von nebenan. Der Kriegsheld, den er hier gibt, tritt erst mal freundlich auf. Doch spätestens in seiner heftigen letzten Szene zeigt sich, dass man ihn besser nicht in seiner Eitelkeit kränkt. In Hollywood hat Brühl seit dem internationalen Erfolg von „Good Bye Lenin!“ einen Namen - und das hier ist sein bester, abgründigster Part seit Jahren.

„Til Schweiger is a Basterd“ stand in Cannes auf einem riesigen Poster. Tatsächlich gehört er im Film zur Nazimörder-Bande um Brad Pitt (der im Film übrigens keineswegs die größte Rolle hat), ein deutscher Dissident, der die Seiten gewechselt hat. Ein paar Zeilen darf er sprechen, doch nach prominenter Einführung ist er bald raus aus dem Film. Dennoch: Er ist definitiv besser als in „1½ Ritter“.

Diehl ist bekannt für zerquälte Zweiflerrollen („Die Fälscher“), glänzt aber doch immer mehr in süffisanten Zynikerparts. Das sarkastisch-fiese Täuscherduell, das er sich hier als Nazi-Major mit einem britischen Agenten liefert, gehört zum Besten, was er je gespielt hat: Eine lange, starke Szene, die bleibt.

Die beiden versierten Theatermimen wiederkäuen ihre bewährten Figuren: Martin Wuttke spielt am Berliner Ensemble seit 14 Jahren Brechts Hitler-Figur „Arturo Ui“ und darf im Film jetzt genau so führerfies schnarren wie auf der Bühne. Und Sylvester Groth hat den Nazi-Propagandaminister samt rheinischem Dialekt schon neben Helge Schneider in „Mein Kampf“ gespielt. Funktioniert wieder bestens.

Ex-Model Kruger passt optisch bestens in die Rolle der mondänen blonden Spionin, dafür stimmlich gar nicht. Die Niedersächsin, die in Hollywood sonst auf Amerikanisch spielt, hört sich in ihren zwei intensiven Szenen an wie eine Statistin auf der Freilichtbühne Wuppertal. Ein Schwachpunkt im Film.

Sie gehören zu den im Vorfeld stolz genannten deutschen Mimen, die jetzt - egal, ob Drehbuch oder Schnitt dafür verantwortlich sind - nur kurz zu sehen sind. Burkhard fällt als einer der Basterds nicht sonderlich auf, Christian Berkel ist als Kneipenwirt ein besserer Komparse. Leute wie Jana Pallaske oder Ludger Pistor haben gelungene Kurzauftritte (deren prägnante Inszenierung kaum jemand besser hinbekommt als der glühende Schauspieler-Fan Tarantino!), und die Kartenspieler-Soldaten um Ken Duken und Alexander Fehling („Buddenbrooks“) dürfen über Winnetou philosophieren, als wären sie Travolta & Co. Super.

Die größte Überraschung im Film. Den perversen Landa spielt er großartig nonchalant, in allen Sprachen ebenso gewandt wie im Strudelessen und An-die-Gurgel-Gehen: Er ist der Star des Films. Eine Nazifigur, die mit allen Klischees spielt, aber jedes Klischee unterläuft - das muss man erst einmal spielen können. Man lehnt sich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man davon ausgeht, dass eine Oscarnominierung in Reichweite ist. Und da sehen wir galant darüber hinweg, dass Waltz kein Deutscher, sondern Österreicher ist. . .

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