1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Politik zur RW-Insolvenz: „Uns sind die Hände gebunden“

  6. >

Homepage Thema 6

Politik zur RW-Insolvenz: „Uns sind die Hände gebunden“

Dierk Hartleb

Ahlen - „Bei einer eigenen Schuldenlast von 13 Millionen Euro wäre alles andere unverantwortlich gewesen.“ Mit diesen Worten reagierte Lutz Kuligowski auf die Nachricht, dass Rot-Weiß Ahlen am Donnerstag beim zuständigen Amtsgericht Münster den Antrag auf Insolvenz gestellt hat. Der Politik und der Stadt seien angesichts der drohenden Haushaltssicherung die Hände gebunden gewesen, betonte der CDU-Stadtverbandvorsitzende.

Am Montagabend hatte die Vereinsführung zum zweiten Mal innerhalb von fünf Tagen mit Politik und Rathausspitze zusammengessen, um zu erörtern, wie man dem Fußball-Drittligisten helfen könne, um die drohende Insolvenz abzuwenden.

Doch in der Kürze der Zeit war an eine Hilfsaktion nicht zu denken. Ihm sei es persönlich sehr schwer gefallen, den Hilferuf von Rot-Weiß abschlägig zu bescheiden, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende. „Ich habe körperlich gelitten und Magenschmerzen gehabt“, so Bing weiter.

Aber auch mit einer geringeren Summe zur Zwischenfinanzierung wäre dem Verein nicht gedient gewesen. Bing bedauerte wie seine FDP-Kollegin Gabriela Wilinski-Röhr und Rolf Leismann von der Bürgerlichen Mitte Ahlen (BMA), dass die im Mai aufgenommenen Gespräche zwischen Rot-Weiß-Vorstand und Aufsichtsrat und der Politik nicht weitergeführt worden sind. „Zu einem früheren Zeitpunkt wäre vielleicht noch etwas zu machen gewesen“, meinte Reiner Jenkel.

Der Chef der Linken lobte die insgesamt sachliche Atmosphäre bei den Gesprächen; Polemik wie sie von einem Aufsichtsratsmitglied geäußert worden war, das der Stadt vorwarf, nicht helfen zu wollen, sei wenig hilfreich.

„Der Verein hat viel für Ahlen getan und hat die Stadt bundesweit bekannt gemacht“, unterstrich Kuligow­­s­ki. Dafür sei man auch sehr dankbar. Aber mit der Forderung, das Stadion für zwei Millionen Euro zu übernehmen, sei die Stadt in der prekären Haushaltssituation überfordert gewesen.

„Unter anderen Umständen hätte man das tun können“, sagte Steven Scholle, Mitglied der Fraktion Die Grünen / SZP. Aber in einer Zeit, in der man schon um kleinere Summen ringe, weil die Finanzlage so angespannt ist, sei ein solcher Betrag nicht finanzierbar.

Unter dem Gesichtspunkt des bundesweiten Imagegewinns erinnerte Norbert Bing daran, dass seine Fraktion seinerzeit einen Antrag im Rat eingebracht habe, dem Verein jährlich 300 000 Euro zur Verfügung zu stellen, und das explizit nicht aus dem Topf „Sportförderung“. Das habe die damalige CDU-Mehrheit aber abgelehnt. Wobei es Bing offen ließ, ob der Verein dann heute besser dastände.

„Uns sind die Hände gebunden“, machte Rolf Leismann für die Bürgerliche Mitte deutlich. Aber selbst, wenn sich die Stadt dazu entschlossen hätte, dem finanziell angeschlagenen Verein unter die Arme zu greifen, wäre die Hilfe nicht rechtzeitig gekommen. „Die zwei Millionen Euro hätten wir nur im Rahmen eines Nachtragshaushalts auf den Weg bringen können“, so Leismann.

Dieses Verfahren hätte etwa zwölf Wochen in Anspruch genommen. Mit ungewissem Ausgang, denn der Landrat hätte auch noch auf diese außerplanmäßige Ausgabe geschaut. Und mit Blick auf die im nächsten Jahr drohende Haushaltssicherung seine Zustimmung mit größtmöglicher Sicherheit verweigert. Den weiteren Fortgang der Dinge bestimmt jetzt der Insolvenzverwalter.

Startseite