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Heiligendamm

Polizei bremst Autonome aus 49 Randalierer festgenommen

wn

Rostock - Bei Rangeleien am Rande von Demonstrationen gegen den G8-Gipfel sind am Montag in Rostock 50 Polizisten leicht verletzt worden. Während der Protestaktionen am Montag hatte die Polizei insgesamt 66 Menschen vorläufig in Gewahrsam genommen, sagte der Sprecher. Zwei Tage nach den blutigen Ausschreitungen bei den Anti-G8-Protesten hatten am Montag in Rostock tausende Menschen unter massiver Polizeipräsenz weitgehend friedlich demonstriert.

Rund 10.000 Demonstranten zogen laut Polizei am späten Nachmittag von einer am Morgen kurzzeitig blockierten Ausländerbehörde am Stadtrand in Richtung des zentralen Kundgebungsplatzes am Stadthafen. Dort war es am Samstag zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die ursprünglich geplante Route des Marsches unter dem Motto "G8 entmachten" hatte die Polizei den Teilnehmern verwehrt.

Am frühen Abend ist eine Demo von den Organisatoren vorzeitig beendet worden. Die Polizei hatte die nach ihren Angaben rund 10 000 Teilnehmer nicht über die ursprünglich geplante Route durch die Innenstadt ziehen lassen. Zur Begründung wurde angegeben, dass diese Route nur für 2000 Demonstranten genehmigt gewesen sei.

Wie die Polizei am Dienstagmorgen mitteilte, mussten fünfzehn Beamte wegen Haut- und Augenreizungen in Krankenhäusern behandelt werden. Ursache sei eine von gewalttätigen Demonstranten gezündete Rauchbombe, hieß es.

Nach den schweren Krawallen am Wochenende bleibt die Sicherheitslage vor dem G8-Gipfel äußerst gespannt. Die Ausschreitungen mit 1000 Verletzten sorgten für Streit über die richtige Sicherheitsstrategie und Fehler von Polizei und Politikern. Die Hälfte der Verletzten waren Polizisten.

Die Polizei konnte am Montag machen, was sie wollte: Jede Kontrolle und jede Festnahme stachelt die unbändige Wut vieler Demonstranten auf die Beamten weiter an. „Ihr Bullen sollt uns in Ruhe lassen“, rief ein Demonstrant, dessen Rucksack am Hauptbahnhof auf Waffen durchsucht wurde. Dutzende Demonstranten johlten lauten Beifall. Auch bei den Polizisten liegen die Nerven inzwischen blank: Viele der mit massiver Schutzkleidung ausgestatteten Beamten gehen inzwischen kompromisslos gegen Demonstranten vor. Für zusätzlichen Zündstoff sorgte die Information, dass Autonome aus dem ganzen Bundesgebiet auf dem Weg nach Rostock seien.

Mehrere Hundert zum großen Teil der autonomen Szene zugehörige Demonstranten blockierten unter anderem die Ausländerbehörde, um gegen die Asylpolitik in Deutschland zu protestieren. Unter den Demonstranten waren den Angaben zufolge auch etwa 200 bis 300 Mitglieder des gewaltbereiten «Schwarzen Blocks», der sich am Samstag im Zentrum Straßenschlachten mit der Polizei geliefert hatte. Sie hätten sich mit mehreren Hundertschaften der Polizei angelegt, berichten Beobachter. Ein Fotograf soll dabei verletzt worden sein.

Fünf der neun Verhafteten nach den schweren Krawallen am Samstag am Rande der Anti-G8-Demonstration in Rostock kommen aus dem Ausland. Die Rostocker Staatsanwaltschaft bestätigte am Montag einen Bericht des Radiosenders Antenne Mecklenburg-Vorpommern, wonach Haftbefehle gegen zwei Spanier, einen Ukrainer, einen Polen und eine Belgierin erlassen wurde. Neben den fünf verhafteten Ausländern wurden die vier anderen Haftbefehle gegen Deutsche ausgestellt. Ein weiterer beschuldigter Deutscher bleibt zunächst in Sicherheitsgewahrsam. Insgesamt waren am Samstag 128 Menschen festgenommen worden, darunter 16 Ausländer aus zwölf Staaten. Gegen alle zehn Beschuldigten besteht laut Staatsanwaltschaft dringender Tatverdacht des schweren Landfriedensbruchs und der gefährlichen Körperverletzung. Sie sollen Steine geworfen oder andere Gewalttaten verübt haben. Belastet würden sie unter anderem durch Videomitschnitte von den Krawallen, bei denen fast 1000 Menschen verletzt wurden. Die übrigen Festgenommenen seien freigelassen worden. Gegen sie werde aber weiter unter anderem wegen einfacher Körperverletzung, Sachbeschädigung oder Widerstands gegen die Polizei ermittelt.

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat unterdessen die Wiederaufnahme der Grenzkontrollen an den deutschen Grenzen als „völlig sinnlose Maßnahme“ kritisiert. Die Einreise von Gewalttätern sei trotz dieser Kontrollen nicht verhindert worden, sagte Körting, der auch Vorsitzender der Innenministerkonferenz ist, am Montag im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Vor dem am Mittwoch in Heiligendamm beginnenden G8-Gipfel waren die mit dem Schengenabkommen abgeschafften Grenzkontrollen in der EU an den deutschen Grenzen wieder eingeführt worden. Informationen ausländischer Behörden über einreisende Gewalttäter seien nicht gekommen, sagte Körting.

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