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Polizeipräsident radelt auf der falschen Seite

Günter Benning

Münster - Es gibt so Stellen in Münster, da ist die deutsche Straßenverkehrsordnung für Radler nur schwer zu ertragen. Zu Letzteren zählt bekanntlich auch Münsters oberster Polizist, Radler Hubert Wimber. Man sieht ihn auf dem Stadtrad, dem Rennrad, mit und ohne Helm, von seinem Dienstsitz am Friesenring in die Stadt pedalieren. Wie alle beradelten Menschen kennt er Münsters Schleichwege und alle Schliche.

Und nun dies: Auf dem Rückweg aus der City fährt der Präsident einer Leserin unserer Zeitung dort entgegen, wo er eigentlich nicht fahren sollte. Nämlich auf der falschen Seite des Radwegs. „Und zwar wiederholt“, sagt sie.

Genau gesagt: am Ende der Finkenstraße im Kreuzviertel, wo ein Pättken durch eine Radsperre auf den Friesenring mündet. Hier muss links abbiegen, wer zur Ampel über den Ring will. Nach Google-Maps vermessen, beträgt die Differenz so an die 18 Meter.

Die Leserin ärgerte sich, weil sie nämlich, 100 Meter weiter, an der Görres­straße ebenfalls links abzubiegen pflegte, um ihre Kinder in den Kindergarten hinter der Diakonie zu bringen. Dies aber sind glatte 100 Meter - und zwar direkt gegenüber dem Polizeipräsidium.

Hier wurde sie unlängst von einem Radpolizisten gestoppt, als sie mit Anhänger entgegen der Fahrtrichtung radelte. Und ihr wurde Strafe angedroht - zehn Euro. Was für sie gilt, meint sie nun, muss auch für den Polizeipräsidenten gelten. Und sprach ihn an, als sie neben ihm vor einer roten Ampel stand: „Lassen Sie sich mal nicht von Ihren Kollegen erwischen“, sagte sie. Worauf Wimber ihr entgegnet habe, er gucke immer vorher, ob es frei sei, achte genau auf den Verkehr und wenn Radler entgegenkämen, steige er ab.

Alfons Propst, Polizeipressesprecher, musste das gegenüber unserer Zeitung bestätigen. Der Chef „krücke nicht“, seufzte sein Sprecher. Er gebe zu, dass er sich schon mal aus der Finkenstraße Richtung Ampel rollen lasse. Wie vermutlich die komplette Kreuzschul-Schülerschaft, die diesen Weg in Richtung Ring nimmt. In Zeiten, wo Radlern in Münster gerade von Wimbers Behörde scharf auf die Pedale geschaut wird, dürfte die Entschuldigung bei seinen Kollegen nicht gut ankommen.

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