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Filmrezensionen

„Prater“: Doku um Vergnügungspark

Hans Gerhold

Auf dem Riesenrad im „Prater“ lieferte Orson Welles in „Der dritte Mann“ 1949 einen der besten Dia- und Monologe der Filmgeschichte ab. Ulrike Ottinger, die in mehrstündigen Dokumentationen zuletzt „Exil Shanghai“ und „Südostpassage“ filmte, hat sich diesmal in ,Normalzeit‘ auf Spurensuche in das Wiener Wahrzeichen, den Vergnügungspark Prater, begeben und mischt in ihrem Doku-Essay Beobachtungen mit alten Fotos und Archivmaterial aus Wochenschauen.

Das Ganze, von der Stimme eines Erzählers begleitet, wird zu einer vielschichtigen Reise in das, was Ottinger (Regie, Buch und Kamera) eine „Wunschmaschine“ nennt. Ihr zu folgen lohnt sich.

Da trifft man auf der Geisterbahn die Monster der Kinogeschichte. Da kann man sich im „Ejection Seat“ in den Himmel schießen lassen oder auf der Miniaturrennbahn Auto fahren. Es gibt das Kasperletheater, Schießbuden und vor allem die Menschen, die arbeiten, sich erinnern und für die die einstige Spielwiese der Adeligen und das Jagdrevier des Kaisers zum Lebensmittelpunkt geworden ist. Selbst Elfriede Jelinek, deren Stücke Ottinger inszenierte, tritt neben dem Riesenaffen King Kong auf. Ob dieser graue Haare angesichts der Überemanzipation der Literaturnobelpreisträgerin bekommen hat? Wie auch immer: sehr anschaulich.

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