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Preisdruck belastet Agrarbranche

Jürgen Stilling

Münster - Die Turbulenzen an den Rohstoffmärkten der Welt haben auch in der Region gewaltige Auswirkungen: Die niedrigen Preise haben den Agrargenossenschaften in Westfalen und im Rheinland im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von 11,5 Prozent auf 16,2 Milliarden beschert.

„Nur die Steigerung der abgesetzten Menge hat ein noch größeres Minus verhindert“, berichtete am Mittwoch der Vorstandsvorsitzende des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes (RWGV), Hans Pfeifer, in Münster. Auf drei bis vier Prozent bezifferte Johann Prümers, Vorsitzender der Fachvereinigung Landwirtschaft beim RWGV, dieses Absatzplus.

Im ersten Quartal des laufenden Jahres habe sich die Lage allerdings stabilisiert, weil der Preisverfall zurzeit gestoppt sei, erklärte Pfeifer.

Die einzelnen Genossenschaftssparten haben sich 2009 allerdings sehr unterschiedlich entwickelt: Während die 76 Bezugs- und Absatzgenossenschaften (inklusive Viehgeschäft) einen Umsatzrückgang um 11,6 Prozent verbuchten, wuchs das Viehgeschäft der Primär-Genossenschaften wertmäßig um 14,3 Prozent auf 690 Millionen . Wegen des drastischen Preisverfalls für Milch und Milchprodukte schrumpfte der Umsatz der genossenschaftlichen Milchverarbeitungsbetriebe von 4,6 Milliarden auf 3,5 Milliarden .

Positive Umsatztrends gab es hingegen im Obst-, Gemüse- und Gartenbau, wo trotz niedriger Preise ein Erlösanstieg von 1,4 auf knapp 1,6 Milliarden erreicht wurde. Auch die Winzer an Rhein Mosel und Ahr, die ebenfalls zum Gebiet des RWGV gehören, steigerten ihren Umsatz leicht auf rund 85 Millionen .

Der Trend zu Zusammenschlüssen hielt bei den westfälischen und rheinischen Genossenschaften auch 2009 an. RWGV-Vorstandsmitglied Moritz Krawinkel berichtete von einem Rückgang der Zahl der Mitgliedsunternehmen von 192 im Jahr 2008 auf 181 zum Jahresende 2009. Größe sei jedoch nicht alles. „Wichtiger ist, dass die einzelne Genossenschaft sich in ihrem Umfeld optimal aufstellt“, betonte Krawinkel.

Mit Blick auf die bevorstehende NRW-Landtagswahl präsentierte der Fachvereinigungs-Vorsitzende Prümers einen Forderungskatalog an die Politik. Prümers verlangte unter anderm, die Exportförderung für die Landwirtschaft und ihre Genossenschaften zu verbessern. Auch müsse die Wirtschaftskraft des ländlichen Raums gestärkt werden.

Prümers beklagte sich über die weiter zu niedrige Milchpreise. Zurzeit zahlten die Molkereien 25 bis 28 Cent pro Kilo Milch. „Ein Grundpreis von mindestens 30 Cent ist erforderlich, um keinen Verlust zu machen“, sagte Prümers.

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