1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Preußen besiegen den Drachen

  6. >

Spielberichte Saison 2008/2009

Preußen besiegen den Drachen

Alexander Heflik

Worms. Vielleicht, wenn es ihn denn wirklich gibt, ist der Schatz der Nibelungen im Rhein nahe Worms versunken. Die Expedition des SC Preußen Münster fand das sagenumwobene Geschmeide, welches Hagen unheilwitternd schnell noch vor der rachsüchtigen Krimhild in den Fluten des Flusses verschwinden ließ, bei der zweitägigen Dienstreise zwar nicht, doch die drei Punkte glänzten schon wie Gold, als der Regionalligist gestern die Heimreise antrat.

Nach dem eindrucksvollen 3:0 (2:0)-Auswärtssieg über Wormatia Worms hat sich die Elf von Trainer Roger Schmidt wieder ein Stück weiter nach vorn geschoben. Vierter sind die Preußen nun, ungeschlagen in Siegfried-Manier als einziges Team der West-Staffel, man hat Sichtkontakt zum Spitzenreiter Kaiserslautern 2 – im Übrigen nur vom SCP in dieser Saison niedergerungen. „Das stellt sich gut da, aber ich bleibe dabei, erst nach zehn Spieltagen wissen wir genau, wo wir stehen. 13 Punkte aus sieben Spielen ist nicht schlecht, doch wir haben noch Luft nach oben.“

Schmidts Worte klangen nach der souveränen Vorstellung, die in dieser Art und Weise gegen einen zugegebenermaßen maroden Gastgeber leicht von der Hand ging, kraftvoll wie von Siegfried ausgerufen. Worms, der Club mit dem Drachen im Vereinsemblem, hätte in der deutschen Sagenwelt mit so einem Kampfgebaren nicht lange überlebt, im Hier und Jetzt ist die Wormatia Abstiegskandidat Nummer eins.

Das sollte die Leistung der Gäste aus Münster aber nicht schmälern. Denn 90 Minuten lang dominierte der SCP das Geschehen im Stil einer Spitzenelf. Stabile Abwehr, gleichermaßen kreatives wie kompaktes Mittelfeld, jede Menge Chancen im Angriff. Es passte, es lief zusammen bei den Preußen. „Einzig die Chancenverwertung war vielleicht noch zu bemängeln“, fand Trainer Schmidt doch noch ein Haar in der Suppe. Mehmet Kara und Michael Erzen hätten das halbe Dutzend voll machen können, gemurrt hätte in Worms keiner, weil die Lage von Minute eins bis Abpfiff dermaßen klar war. Münster spielte Fußball, Worms versuchte sich irgendwie zu retten.

Schon nach neun Minuten traf David Lauretta fulminant nach einem gescheiten Rückpass von Mehmet Kara zum 1:0. Eine halbe Stunde später köpfte zunächst Lars Remmert nach einer Ecke an die Latte, die Resteverwertung von Orhan Özkara markierte das 2:0. Rund um diese beiden Eckpfeiler sah auch der letzte auf den Rängen den Klassenunterschied. Nach dem Wechsel war die Wormatia bemüht, doch die Sturm- und Drangphase war nicht mehr als eine kleine Rauferei für die harten Männer aus Münster. Sie gewährten dennoch vorerst Gnade und damit Hoffnung für die unterlegenen Wormser, weil erst nach 77 Minuten Mehmet Kara mit seinem fünften Saisontor das 3:0 erzielte. Er eilte prompt in die Fankurve und ließ sich feiern, als ob der SCP nun tatsächlich den Nibelungen-Nachlass aufgestöbert hätte. „Das war pure Erleichterung, denn das war kein einfaches Spiel“, erklärte Kara seine Luftsprünge vor dem Preußen-Anhang. Was wird der Mittelfeldregisseur erst machen, wenn die Preußen Meister werden?

Soweit ist es noch lange nicht, aber der SCP beißt sich oben fest. Und geht mit einer glänzenden Ausgangsposition in die kommenden beiden Heimspiele. „Das wird den einen oder anderen mehr ins Stadion locken, zumal es nun gegen Verl und Essen geht“, freute sich auch Teammanager Carsten Gockel über die gestrige Anschubhilfe für höhere Zuschauerzahlen bei Auftritten im Preußenstadion. Es ist kein Märchen oder eine Sage, die Drachentöter aus Münster sind nach durchwachsenem Saisonstart offenbar bereit für die großen Schlachten.

Startseite