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Streit mit Trainer Fascher

Preußen-Stürmer Güvenisik: „Ich gehe zum Training“

wn

Münster - Nach dem Dienstagstraining schickte Preußen-Trainer Marc Fascher seinen Stürmer Sercan Güvenisik vorzeitig in die Weihnachtsferien - ohne gute Wünsche, dafür mit einer klaren Ansage. Bis zum 27. Dezember ist der 31-Jährige vom Training freigestellt. Er habe seinen Unmut über die kurzen Einsatzzeiten zu deutlich geäußert und außerdem einen Gesprächstermin nicht wahrgenommen, heißt es von Vereinsseite. Güvenisik sieht das etwas anders. Wie, erklärte er im Gespräch mit Redakteur Ansgar Griebel.

Trainer Marc Fascher hat sie vom Training freigestellt. Als Grund wird ihre öffentlich zur Schau getragene Unzufriedenheit mit ihrer Rolle als Reservist angeführt.

Sercan Güvenisik: Es ist doch klar, dass man als Spieler frustriert ist, wenn man in jedem Spiel nicht mehr als fünf bis zehn Minuten spielen darf. Aber ich habe niemanden beleidigt, ich habe niemanden angegriffen. Diese Eskalation ist völlig unbegründet.

Der Trainer sieht das anders und wertet auch Ihr Verhalten durchaus als unangemessen.

Güvenisik: Das stimmt doch nicht. Am Sonntag nach dem Spiel habe ich gesagt, dass ich meine Schuhe auch gleich an den Nagel hängen kann, wenn ich hier nicht mehr gebraucht werde, egal, ob die Mannschaft vorne oder hinten liegt. Das wars. Andere waren auch unzufrieden und haben ihrem Frust auch freien Lauf gelassen. Am Dienstag hat der Trainer dann nach dem Training gesagt, ich soll in seine Kabine kommen.

Und dann?

Güvenisk: Dann habe ich ihm gesagt, dass ich eigentlich nichts zu sagen habe - und wenn es doch etwas zu besprechen gäbe, dann sollten doch Carsten Gockel und anderen Präsidiumsmitglieder mit dabei sein. Aber ich habe auch gesagt: Trainer, wenn du mir etwas zu sagen hast, dann komme ich.

Und dann sind Sie gekommen?

Güvenisik: Ja. Und der Trainer hat mir gesagt, dass ich am Sonntag laut genug war und er gehört hat, was ich gesagt habe. Damit sei das Maß übergelaufen, ich sei freigestellt und soll am 27. Dezember wieder zum Training kommen. Dann könne ich ja wieder versuchen, mich für die Mannschaft zu empfehlen. Zu behaupten, ich habe einen Gesprächstermin verweigert, ist einfach falsch.

Was haben Sie sich sportlich vorzuwerfen?

Güvenisik: Ich weiß es nicht. Vor meiner Roten Karte war ich in Top-Verfassung, das ist vier Wochen her. Seitdem hänge ich mich im Training rein. Es kann doch nicht sein, dass ich in vier Wochen das Fußballspielen verlernt habe.

Ein Platz auf der Bank stellt Sie offensichtlich nicht zufrieden?

Güvenisik: Natürlich nicht. Aber ich habe doch auch verstanden, dass die Mannschaft nach dem Sieg gegen Heidenheim nicht verändert wurde. Ich habe nichts gesagt, ich habe trainiert und ich habe Gas gegeben. Es war ja alles gut. Aber wenn man nicht eingesetzt wird, wenn man zurückliegt, und auch nicht kommt, wenn man vorne liegt und die Mannschaft einen Konterstürmer braucht, dann verstehe ich das nicht.

In der gemeinsamen Zeit bei den Preußen war das Verhältnis zwischen Ihnen und dem Trainer nie so richtig entspannt. Woran lag es?

Güvenisik: Ich habe es jedenfalls immer wieder versucht. Was ja kaum einer weiß, aber der Trainer und ich, wir hatten in den vergangenen anderthalb Jahren ja fast mehr Gesprächstermine als Trainingseinheiten. Ich glaube, dass diese Sache mit mir von anderen Dingen ablenken soll. Aber da soll sich jeder seine eigenen Gedanken machen.

Wie geht es jetzt weiter?

Güvenisik: Ich gehe zum Training. Ich bin hier, um der Mannschaft zu helfen. Das ist meine Aufgabe. Wenn man mich nicht lässt, muss ich darüber nachdenken, mich ins Training einzuklagen.

Könnte das Interview in der Augsburger Allgemeinen eine Rolle gespielt haben, in dem Sie nochmals betonten, dass sie gerne und am liebsten schon in der Winterpause in die USA wechseln würden?

Güvenisik: Nein, darüber weiß der Verein doch Bescheid, darüber haben wir im Sommer gesprochen. Alle wissen, dass ich gerne in die USA wechseln würde. Das hat mit meiner Leistung für die Preußen nichts zu tun.

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