1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Prinz haute früh aufs „Trömmelsche“

  6. >

Karneval im Kreis Warendorf

Prinz haute früh aufs „Trömmelsche“

Roland Greife

Telgte - Endlich ein Junge! Herbert Kreutzer mochte es kaum glauben, als ihm die Hebamme damals die Nachricht verkündete. Aber es stimmte: Nach vier Töchtern brachte seine Frau Erika Klein-Freddy auf die Welt. 50 Jahre und ein paar Monate später ist der Stammhalter Prinz Karneval in Telgte.

„Prinz Fred I.“ ist auf einem schmucken, von „Opa“ Heumann geschnitzten Holzschild zu lesen, das über der Haustür am Braomkamp hängt. Dort ist die Telgter Tollität zu Hause. Fred Kreutzer - alle Welt nennt ihn Freddy - sitzt mit seiner Lebensgefährtin Renate Tomkötter ganz entspannt im Wohnzimmer, als ihn die WN besuchen. Im Moment kann er das auch noch sein. Nach dem Herrenabend ist die karnevalistische Terminlage derzeit übersichtlich. Okay, die Samstagabende sind belegt, aber so richtig rund geht´s erst in der ersten Februarwoche, wenn die Galasitzungen anstehen. „Ich freu´ mich auf das, was kommt“, sagt „Fred I. von Altersgeld und Bühnenwelt“.

Als Freddy noch ein Knirps war, zog die Familie Kreutzer von Münster nach Telgte. In der Wohnsiedlung im Norden Telgtes schossen damals die Häuser aus der Erde. „Weihnachten hatten wir plötzlich keinen Strom“, denkt Kreutzer schmunzelnd an die Anfänge in Telgte zurück. Hatte er sich in Münster standhaft geweigert, in den Kindergarten zu gehen, „weil ich nicht zu den Nönnekes wollte“, gab´s bei der Schule natürlich kein Entrinnen mehr. Der Paul-Gerhardt-Schule folgten Real- und Hauptschule, ehe Freddy Kreutzer mit dem Fachoberschulabschluss eine kaufmännische Lehre bei Dartmann begann. Da ist er auch ein Jahr nach der Ausbildung geblieben, ehe er zur LVA Münster wechselte. Bei der heutigen Deutschen Rentenversicherung ist Kreutzer in der allgemeinen Verwaltung tätig. Mit dem Erstellen von Rentenbescheiden hat er allerdings nichts zu tun. „Das wär´ auch nichts für mich.“

Kreutzers große Leidenschaft ist die Musik. Schon der längst verstorbene Papa Herbert hat getrommelt, und auch Freddy saß früh am Schlagzeug. „Mit Thomas Brandhofe und einigen anderen habe ich sogar in der Kirche gespielt.“ Seit zwei Jahren schlägt er in der „Bever Beat Band“ die Drums und Becken. Einmal in der Woche wird in einem umgebauten Silo in der Ostbeverner Bauerschaft Brock geprobt. „Wir spielen nur Oldies“, so Kreutzer über das Repertoire seiner Combo.

Seine Zeit im Alten Gasthaus Pohlmeier brachte ihn mit der KG in Kontakt. Anfang der 90er Jahre war das. Er hat im KKU-Männerballett mitgetanzt und fing irgendwann an, Prinzenlieder zu texten und zu singen. Nach ein paar Jahren Pause griff er das in der vergangenen Session wieder auf. Nicht ohne Grund: Denn da war sein Sohn Daniel Prinz. Mit Peter Maitzen gibt Freddy Kreutzer ein Hofsänger-Duo par excellence ab.

„Eigentlich müsste es ja umgekehrt sein“, lacht Freddy Kreutzer über die Tatsache, dass er seinem Sohn als Tollität nachfolgt. Schon Millenniums-Prinz Willy Rehr hatte bei ihm vorgefühlt. Damals hatte Kreutzer noch abgelehnt. Diesmal griff er zu. „Kurz nach dem Mariä-Geburts-Markt habe ich gesagt: Okay, ich mach´s.“

Was sagt die Freundin? „Ich hab´ erst mal schlecht geschlafen“, gesteht Renate Tomkötter. Allzu viel Trouble hat sie durch den „Nebenjob“ ihres Lebensgefährten jedoch nicht. Das meiste spielt sich im „Prinzenhauptquartier“, der Gaststätte Pohlmeier-Bracht, ab. Gastwirtin Jutta Bracht gewährt ihrem Ex-Mann für die heiße Phase der Session dort viele Freiheiten.

Startseite