1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Prinzipalmarkt soll ins Weltkulturerbe

  6. >

Neuer Anlauf

Prinzipalmarkt soll ins Weltkulturerbe

Wolfgang Schemann

Münster - Die Stadt Münster unternimmt einen erneuten Anlauf, um sich im Weltkulturerbe der Unesco zu „verewigen“. Aber diesmal nicht mit dem Rathaus - sondern gleich mit dem gesamten Prinzipalmarkt. Denn der sei ein „einzigartiges Dokument des Wiederaufbaues europäischer Städte“, sagt Stadtdenkmalpflegerin Marlies Voss.

Die Stadt hatte 2002/2003 versucht, das Rathaus zum Weltkulturerbe zu befördern. Aber der Vorstoß scheiterte bereits im Vorfeld - weil das Gebäude, wie die Experten meinten, nach Zerstörung und Wiederaufbau zu wenig historische und authentische Substanz habe.

Ähnliches gilt sicher für den Prinzipalmarkt insgesamt. Aber diesmal will die Stadt gerade daraus ein Qualitätsmerkmal machen. Die Stadt setze auf die Besonderheit des Wiederaufbaus, betont Oberbürgermeister Markus Lewe: Der Prinzipalmarkt habe einerseits den Geist der Vergangenheit aufgenommen, bestehe andererseits überwiegend aus neuen Gebäuden - und wirke gleichwohl wieder authentisch. Nicht umsonst, so Lewe, sei der Prinzipalmarkt erst vor Kurzem beim WDR-Ranking der „99 Lieblingsorte“ auf Platz 1 gelandet.

Der Prinzipalmarkt sei nach dem Krieg „im Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Eigentümern“ wieder aufgebaut worden, sagt Stadtdirektor Hartwig Schultheiß. Dieses Vorgehen sei „gerade heute hochaktuell und macht den Prinzipalmarkt zu einem in der Unesco-Liste seltenen demokratischen Erbe“.

Der Stadt kommt dabei entgegen, dass historische Gebäude in der Welterbe-Liste schon überrepräsentiert sind. Und die Unesco deshalb verstärktes Interesse an Bauten des 20. Jahrhunderts signalisiert hat. Nun ist der Prinzipalmarkt zwar Teil der historischen Innenstadt, aber der Wiederaufbau, so meint die Stadt, sei ein Thema des 20. Jahrhunderts. Und gerade der vereinfachte Wiederaufbau - im Gegensatz zur detailgetreuen Rekonstruktion - stelle eine einzigartige Lösung dar.

Ganz abgesehen davon haben zwei Prinzipalmarkt-Gebäude gute Chancen, zumindest das europäische Kulturerbe-Siegel zu erreichen. Die Lambertikirche ist von der Kulturministerkonferenz bereits als Teil der „Stätten der Reformation“ angemeldet worden. (WN,3.8.); eine Anmeldung für die Rathäuser von Münster und Osnabrück („Stätten des Westfälischen Friedens“) ist in Arbeit.

Startseite