1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Problemfälle müssen keine sein

  6. >

Förderung für Grundschüler

Problemfälle müssen keine sein

Julia Gottschick

Münster - Warum sich manche Kinder bereits in der Grundschule auffällig verhalten, hat verschiedene Gründe. Womöglich haben sich die Eltern getrennt, sind krank, sozial benachteiligt oder kümmern sich nicht genug um den Nachwuchs. Fakt ist, dass zehn Prozent der Grundschüler in NRW als „schwierig“ gelten, „den Un­terricht regelrecht sprengen“, wie Maria Loheide von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe am Dienstag in Münster sagte. Foto:

Damit Kinder wie diese nicht komplett aus der Offenen Ganztagsschule herausgenommen werden müssen - in NRW gibt es derzeit rund 205 000 Plätze -, können Eltern bei den Jugendämtern eine individuelle Förderung beantragen. Ob Nachhilfe, Selbstsicherheitstraining, das Einüben alltäglicher Rituale oder intensive Gespräche über die jeweilige Lebenssituation: Fachkräfte kümmern sich gezielt um die „Problemfälle - „ohne dass diese dadurch stigmatisiert würden, dass sie aus den Gruppen herausgenommen werden müssen“, so Uwe Schulz vom Institut für soziale Arbeit. 1345 Euro pro Kind und pro Jahr stehen dafür als Mindestsatz zur Verfügung, in manchen Kommunen auch mehr. Um voneinander zu lernen und bewährte Konzepte auszutauschen, haben sich einige Träger der Offenen Ganztagsschulen gestern in Münster getroffen. Hintergrund ist ein zweijähriges Praxisforschungsprojekt der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe und des Instituts für soziale Arbeit, das in ein „Handbuch mit Empfehlungen“ münden soll.

Durchgeführt an zehn Modellstandorten, wird das rund 245 000 Euro teure Projekt von der Stiftung Deutsche Jugendmarke und dem NRW-Familienministerium gefördert. „Wie gehen die Träger mit solchen Problemen um, wie kann man Kinder und ganze Familien begleiten, die dahinterstehen?“: Neue Ideen würden vor Ort wissenschaftlich ausgewertet, betonte Tim Rietzke von der Diakonie. Ein Problem sei bislang aber noch, dass viele Lehrer nichts von den Hilfsangeboten wüssten.

Startseite