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Protest nach Unfall bei Urenco

Klaus Wiedau

Gronau - Rund 150 Atomkraftgegner haben am Samstag in der Gronauer Innenstadt zwei Stunden lang demonstriert. Unter dem Motto „Für ein Leben ohne Urananreicherung“ forderten sie die Stilllegung der Gronauer Urananreicherungsanlage und aller kerntechnischen Anlagen. Aktueller Anlass für die - nach einer Demo im Jahre 2004 zweitgrößten - Kundgebung war ein Zwischenfall in der Urananreicherungsanlage, bei dem - wie berichtet - in der vergangenen Woche ein 45-jähriger Arbeiter kontaminiert wurde.

Udo Buchholz (Arbeitskreis Umwelt Gronau, AKU) betonte beim Auftakt der Veranstaltung am Gronauer Bahnhof, dass „der Störfall eine deutliche Warnung sein muss. Wir können jetzt nicht zum Tagesgeschäft übergehen und Urenco darf das auch nicht.“ Als „merkwürdig und dubios“ bezeichnete er es, dass Urenco nach dem Zwischenfall plötzlich habe ausrechnen können, dass noch rund 1,6 Kilogramm Uran in dem Behälter war, der als leer angeliefert worden sei: „Wie Urenco auf diese Zahl kommt, ist mir völlig schleierhaft.“ Kritik äußerte Buchholz auch an den Sicherheitsvorkehrungen, unter denen - wie Broschüren des Unternehmens zeigten - bei Urenco gearbeitet werde: „Einfach nur im Kittel, ohne Schutzhandschuhe, ohne Mundschutz, ohne alles - da war es im Prinzip vorprogrammiert, dass irgendwann irgendwas passieren würde.“ Die fehlende Kontrolle von Behältern am Eingang der Anlage bezeichnete Buchholz als „Schlamperei hoch Drei“ und forderte eine gründliche Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft.

Im Zusammenhang mit Ungereimtheiten in der Rettungskette kritisierte der AKU-Sprecher die Verantwortlichen bei Urenco, aber auch die mangelnde Überprüfung der Anlage und der Sicherheitsvorkehrungen durch Kreis und Stadt. Dass Bürgermeister Karl-Heinz Holtwisch es abgelehnt habe, zur Sonderratssitzung am kommenden Mittwoch einen kritischen Wissenschaftler einzuladen, kommentierte Buchholz mit den Worten: „Das ist ein Riesenskandal. Der Junge hat immer noch nicht kapiert, was hier vor sich geht. Er legt es drauf an, dass der nächste Unfall passieren kann.“

Claudia Baitinger (BUND NRW) prangerte an, dass durch EU-weit geschaffene Deregulierungsmaßnahmen öffentliche und behördliche Kontrollen immer mehr einer „sogenannten Selbstüberwachung“ gewichen seien. wie sie am Beispiel der EMAS-Zertifzierung, der sich auch Urenco rühme, deutlich machte. Mit der Folge, „dass letztlich die Kontrolle über solcherart gefährliche Anlagen auf ein Minimum eingedampft wurde.“ Angesichts der Unbeherrschbarkeit der Atomindustrie werde der BUND von seiner Forderung nach Abschaltung aller Atomkraftwerke auch in Zukunft keine Handbreit abrücken.

Für die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) im Kreis Borken betonte Gertrud Roth als Teamsprecherin des Dekanats, mit der Teilnahme an der Demo in Gronau der „Sorge um die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder und vieler nachfolgender Generationen sichtbar Ausdruck verleihen“ zu wollen. Beim Umgang mit der Atomenergie bleibe ein „sogenanntes geringes Restrisiko unkalkulierbar und eben nicht beherrschbar“. Auch in der Atomenergie könne niemand Garantien abgeben: „Das ist gerade in der letzten Woche hier in Gronau wieder ganz deutlich geworden.“

Nach dem Zwischenfall bei Urenco habe die „Stunde der Verharmloser und Zyniker“ geschlagen, kommentierte Matthias Eickhoff (Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen) Aussagen von Urenco und Politikern nach dem Unfall. Er forderte, Urenco nach dem Zwischenfall die Lizenz zu entziehen.

Für einen Ausstieg aus der Kernenergie sprachen sich in weiteren Wortbeiträgen auch Robert Brandt (DGB-Ortsverband Gronau), Eberhard Doeths (Verdi) sowie Heiner Möllers (Vorsitzender der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus) aus.

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