1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Provinzial: Aus für IT-Projekt "Apollo" und die Fusion

  6. >

Provinzial: Aus für IT-Projekt "Apollo" und die Fusion

Norbert Tiemann

Münster/Stuttgart - Holt der Aufsichtsrat der Provinzial Nordwest das vollmundig Apollo getaufte IT-Kooperationsprojekt mit der Stuttgarter Sparkassenversicherung am kommenden Dienstag vom Himmel? Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe als 40-Prozent-Eigentümer scheint dazu fest entschlossen. Auch in der Provinzial-Vorstandsetage gibt es dem Vernehmen nach eine solche Beschlusslage: um drohende astronomische Kosten zu verhindern. Weil Apollo das Fliegen bislang nie wirklich gelernt hat. Und weil das Projekt, vom Miteigentümer Sparkassenverband aufoktroyiert, längst als sachlich gescheitert gilt.

Die spannende Frage wird sein, wie viel Geld mit der Apollo-Mission verbrannt worden ist. In den beteiligten Firmen rollten gleich mehrere Chef-Köpfe, ohne dass es in der Sache der angepeilten Übertragung der IT-Landschaft aus Stuttgart ins Westfälische nennenswerte Fortschritte gegeben hätte.

Weil es auch für grundsätzliche Fusionsverhandlungen mit Stuttgart in Münster und Kiel keine Mehrheit gibt, bleibt es vorerst bei der Alleinstellung der Provinzial Nordwest.

Kommt es im Zuge der anstehenden Landesbanken-Konsolidierung in Deutschland zu einem Süd-Zusammenschluss zwischen Bayern und Baden-Württemberg, dürfte sich das Versicherungsthema ebenfalls rein südlich erledigen; die Provinzial Nordwest wäre dann wohl endgültig außen vor oder müsste als Juniorpartner aufspringen. Die öffentlich-rechtlichen Versicherer gelten im Kontext der Landesbanken-Fusionen als Mitgift, um die unattraktiven Bräute ein wenig zu schmücken...

Dass die Provinzial Rheinland im Hochsommer der Provinzial Nordwest ein loses Kooperationsmodell in Sachen EDV angeboten hat, ließ aufhorchen und mehr vermuten: Kommt es nun doch zu einer Annäherung zwischen Rheinländern und Westfalen, die vor einigen Jahren auf der ganzen Linie gescheitert war?

Der westfälisch-lippische Sparkassenpräsident Dr. Rolf Gerlach will mit Blick auf die anstehenden Landesbank-Entscheidungen Zeit bis mindestens Jahresende gewinnen, um nicht ohne Not zu früh einzelne Türen zuzuschlagen. Am Dienstag wird sich zeigen, welche der heftig zerstrittenen Eigentümerseiten sich durchsetzen wird. Landesdirektor Dr. Wolfgang Kirsch jedenfalls ist fest entschlossen, das Thema Stuttgart dann endgültig zu beerdigen.

Der Ausstieg aus der Apollo-Mission ist zwar leicht zu beschließen; die Kooperationsverträge zwischen Stuttgart und Münster/Kiel haben aber nach Informationen unserer Zeitung eine Laufzeit bis 2011.

Startseite