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Landgericht Münster

Prozess entzweit die Löbberts - Brüder sind "schwer zerstritten"

Stefan Werding

Münster/Dülmen - Das Verfahren gegen die beiden Brüder Johannes und Dieter Löbbert hat nicht nur an den Nerven von Richtern, Anwälten und Staatsanwälten gezerrt, sondern offenbar auch an denen der beiden Brüder. Wie eine Anwältin vor dem Landgericht berichtete, sind die beiden Brüder nach viereinhalb Jahren Prozess „schwer zerstritten“.

Das wurde auch während der Plädoyers der Anwälte offenbar. Zwar forderten am Mittwoch vor dem Landgericht in Münster alle sechs Freisprüche für ihre Mandanten. Deutlich wurde aber auch, dass die Verteidiger von Dieter Löbbert mit der Strategie seines Bruders nicht einverstanden sind. Der hatte die Richter mit einer Flut von Befangenheitsanträgen überzogen.

Die Anklage wirft den Dülmenern Kredit- und schweren Betrug vor. Sie sollen veranlasst haben, dass ihre rund 300 Unternehmen Rechnungen hin- und hergeschickt haben, für die es keine oder so gut wie keine Leistungen gegeben habe. So hätten sie die Bilanzen manipuliert und Kredite bekommen, die sie sonst nicht erhalten hätten.

In den Augen der Verteidiger fehlen dafür die Beweise. Kein Zeuge habe entsprechende Weisungen von Dieter Löbbert bekommen. 13 Jahre Ermittlungen inklusive zweier insgesamt viereinhalb Jahre dauernder Prozesse müsse bei einer möglichen Strafe berücksichtigt werden.

Die bereits 2007 gesprochenen Urteile von siebeneinhalb Jahren, die der Bundesgerichtshof wegen eines Verfahrensfehlers kassiert hatte, dürften nicht noch einmal gefällt werden. Zudem sehen die Verteidiger einen entscheidenden Grund für den langen Prozess nicht bei den vielen Anträgen von Johannes Löbbert, sondern bei den Staatsanwälten und dem Verfahrensfehler, durch den der Prozess neu aufgerollt werden musste.

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