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Prozess um Ehedrama: Ahlener erhält lebenslänglich wegen versuchten Mordes

Hanno Ewald

Ahlen / Münster - Als An­dreas Sch. zur Urteilsverkündung den Gerichtssaal betritt, wirkt er blasser als sonst. Den Blick zu den anwesenden Bekannten und Angehörigen meidet er. Dann hört er das Urteil, wie vom Staatsanwalt gefordert: lebenslange Freiheitsstrafe wegen versuchten Mordes. In das Urteil fließt noch schwere Körperverletzung für den unvermindert Schuldfähigen mit ein. Die Zahlung von 200 000 Euro zuzüglich Zinsen an die Nebenklägerin wird ihm auferlegt. Zudem hat er alle Folgeschäden zu ersetzen.

Ein Urteil, was nach Auffassung des Angeklagten „nicht sein“ kann. Denn bis zum Schluss hatte er bestritten, derjenige gewesen zu sein, der mit einer Eisenstange erbarmungslos auf das Opfer eingeschlagen hat. Das Gericht war aber davon überzeugt, dass der 47-Jährige der alleinige Täter ist, der im August 2009 seiner von ihm getrennt lebenden Frau im Keller ihres Hauses auflauerte und mit einer Eisenstange ihren Kopf zertrümmerte. „ Sie haben ganz allein gehandelt und ihre Frau beinahe totgeschlagen. Sie haben die vorhandenen Schäden nicht nur bei Ihrer Frau angerichtet, sondern bei der ganzen Familie“, sagt Richter Michael Skawran in seiner Ur­teilsbegründung. Die Frau überlebte die schweren Verletzungen trotz Zweifel der Ärzte. Sie ist seit der Tat zeitlebens gezeichnet, auf fremde Hilfe und den Rollstuhl angewiesen.

Während der Vorsitzende Richter noch einmal akribisch auf das Tatgeschehen eingeht, fixiert ihn der Meachantroniker. Er hört von den Höhen und Tiefen, die seine Ehe prägten. So war die Ehefrau ständigen Demütigungen ausgesetzt. Im Jahre 2008/09 verschärft sich die Situation, als die Frau ernsthaft über eine Trennung nachdenkt. Aus Angst vor ihrem Ehemann hinterlegt sie ihm ihren Entschluss schriftlich und verlässt das Haus und zeigt die Übergriffe ihres Mannes an. Fortan darf er seine Frau nicht mehr besuchen. Das verkraftet er nicht. Eifersucht quält ihn. Er fasst den Entschluss, seiner Frau „eine zu verplätten“. Sie werde ihren nächsten Geburtstag nicht mehr erleben, sagt er Zeugenaussagen zufolge.

Dann kommt der Tag, wo er versucht, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. In Abwesenheit seiner Frau schleicht er sich in den Keller ihres Hauses und lauert ihr auf. Ohne die Chance einer Gegenwehr gehen mindestens 20 Schläge mit einer Eisenstange auf Kopf und Körper der Frau nieder. Als sich die Schwerstverletzte weiterschleppt, setzt ihr der Angeklagte nach und schlägt weiter auf sie ein und versetzt ihr noch einen Tritt. Um sicherzugehen, dass sie stirbt, so die Überzeugung des Gerichts, schneidet er ihr mit einer Glassscherbe in den Hals. „ Es sah aus wie in einer Metzgerei“, sagt der Richter.

Nach der Tat fährt der Angeklagte zurück in seine Wohnung. Entledigt sich seiner blutverschmierten Kleidung und säubert sich. „Ich hab‘s getan“, berichtet er telefonisch seinem Sohn und einem Bekannten. Der schaltet danach schnell und verständigt Polizei und Notarzt. Dadurch wird das Leben der Frau gerettet. Genugtuung empfindet die Tochter nach dem Urteil nicht. Nur Gerechtigkeit. „Er hat nicht nur das Leben unserer Mutter zerstört, auch das der ganzen Familie“, sagt sie.

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