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Puppen im Schwimmbad des Kafka-Gymnasiums

Hans Gerhold

Rico (Frederick Lau, Deutscher Filmpreis für „Die Welle“) wird in „Freischwimmer“ wegen seiner Schwerhörigkeit gehänselt, auch im Sport, speziell beim Schwimmen, macht der Schlaks keine besonders gute Figur, wird von den Girlies des Gymnasiums einer Kleinstadt ausgelacht, weil er die titelgebende Freischwimmer-Strecke nicht schafft.

Die schönen Schülerinnen umlagern Robert, der die Medaille beim Wettschwimmen holt. Als er Rico den Eclair wegnimmt und verdrückt, liegt er Sekunden später tot am Boden: das Creme-Schnittchen war vergiftet. Alle Welt macht Rico verantwortlich. Der ärgert sich, weil der Sportlehrer mit seiner Mutter das Laken teilt, und flüchtet zum Deutschlehrer (August Diehl), der die Provinz hasst und dessen Leidenschaft der Modellbau ist. Rico wird von dem Hobby angesteckt, und bald sitzt seine ganze Klasse als Puppen unbeweglich an Pulten im Keller des Lehrers.

Wenn sich zwei Außenseiter zusammen tun, darf man wenig Gutes erwarten. Bald häufen sich die Mordfälle, und werden die Puppen in den letzten Szenen den Pool der Kafka-Schule bevölkern, die nicht umsonst nach dem Meister surrealer Metaphern benannt ist.

Regisseur Andreas Kleinert hat um die Verwirrungen des Schülers Rico einen bedrohlichen Krimi gestrickt, der um Realitätsflucht, Abgründe der Außenseiter und ein Hörgerät kreisen, das Rico abschaltet, wenn die Umwelt nervt. Der 15-jährige ist in Kleinstadt-Vamp Regina (Alice Dwyer) verliebt, und die Schönste der Schule wird ihm noch zu Füßen liegen. Bis dahin beißt mancher ins Gras. Gefährlich, die Provinz.

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