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Filmrezensionen

„Red Road“: Gefühlslabyrinthe

Hans Gerhold

In Cannes 2006 mit dem Preis der Jury ausgezeichnet, führt „Red Road“ als aufregendes Drama in Gefühlslabyrinthe. Die schottische Version von Hitchcocks „Fenster zum Hof“ im Dogma-Stil beginnt als Einsicht ins Innenleben vereinsamter Großstädter.

Die allein lebende Jackie (Kate Dickie) arbeitet als Monitorsteuerfrau für eine Privatfirma, die an strategischen Stellen von Glasgow Überwachungskameras installiert hat. Jackie geht Fragmenten von Geschichten nach, die sich auf den Bildschirmen abspielen (wunderbar der kranke Hund eines Rentners), trifft auf ein bekanntes Gesicht.

Clyde (Tony Curran) stellt sich als vorzeitig entlassener Exhäftling heraus. Jackie folgt ihm obsessiv mit der Kamera, dann privat und gelangt in ein Hochhaus an der Red Road, wo er sich eine Wohnung mit einem jungen Paar teilt. Warum sie das tut, teilt Regisseurin Andrea Arnold erst im letzten Moment mit. Jackie folgt einem merkwürdig krassen Rachemotiv, das sie zu dem rauen und charmanten Proletarier treibt, der für Lasten der Vergangenheit verantwortlich ist.

Kein vorhersehbares Sozialdrama, sondern ein existenzielles Drama mit Shakespeare-Dimensionen – und vergleichbaren Arbeiten von Haneke und von Trier überlegen, weil ohne Belehrungstöne. Mit Versöhnung und Erlösung auch religiös auf der sehenswerten Spur.

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