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Regionalliga, wir kommen

Münster. Und dann, um 16.44 Uhr, tanzten die Preußen, drückten sich die Preußen, jubelten die Preußen, ließen sich feierten, feierten sich selbst. Jubel, Trubel, Heiterkeit. Geschafft, der SCP hat endgültig Klarheit. Regionalliga, wir kommen...

Alexander Heflik

Münster - Und dann, um 16.44 Uhr, tanzten die Preußen, drückten sich die Preußen, jubelten die Preußen, ließen sich feierten, feierten sich selbst. Jubel, Trubel, Heiterkeit. Geschafft, der SCP hat endgültig Klarheit. Regionalliga, wir kommen. Druckfrische weiße T-Shirt mit Masematte-Einschlag („Wir flemmen wieder Regionalliga“) wurden flugs unter die Spieler gebracht und angezogen, eine paar Flaschen Sekt aus dem Auto geholt und geleert sowie selbstredend die Ovationen entgegengenommen.

Dann war der Chef dran. Roger Schmidt hat wohl auch ein Gespür fürs Szenische, wiegelte erst ab, ehe Tausende Stimmen den Trainer forderten. Neun Minuten waren seit dem Schlusspfiff vergangenen, und immer noch war das Rewirpower-Stadion zu Bochum fest in Münsters Hand. Die bislang schönsten Minuten dieser Saison, mancher hatte Gänsehaut. Auch in der Bundesliga kann das nicht besser sein. Fast schon meisterlich. Wenig später ging es rüber in die Bochumer Kabine, Verbrüderung oder so lautete das Motto, schließlich schaffte auch der VfL den Sprung in Liga vier. Der Tag endete in der Nacht im Ristorante La Frasca, Dortmund, Massimo Ornatellis Vater hatte geladen. Doch die ganz große Party soll noch kommen.

Mit dem 1:0-Auswärtssieg im Spitzenspiel der Oberliga bei der Reserve des VfL Bochum räumten Schmidts Schützlinge nicht nur letzte Zweifel an der Ligazugehörigkeit 2008/09 aus, nein, sie übernahmen auch vier Spieltage vor Saisonende wieder die Tabellenspitze. Mehmet Kara, ein Mittelfeldspieler – zumindest für Oberliga-Verhältnisse – zwischen Genie und Wahnsinn, hatte nach 43 Minuten das Tor des Tages geschossen. Uwe Seggewiß hatte mit einem raumgewinnenden Pass über gut und gerne 50 Meter Kara in Szene gesetzt. Sein Treffer riss die knapp 3000 mitgereisten Anhänger Münsters von den Sitzen. „Sensationell, so viele eigene Fans bei einem Auswärtsspiel. Man, ist das schön“, war Preußen-Präsident Dr. Marco de Angelis gerührt.

Kein Tag, kein Spieltag wie jeder andere war das. Natürlich war damit zu rechnen, dass irgendwann im Frühling der SCP reinen Tisch machen würde in Sachen Regionalliga-Qualifikation. Irgendwie konnte sich jeder darauf vorbereiten, aber als Schiedsrichter Kloppenburg abpfiff, spürte man die Exklusivität des Moments. Jeder, der dabei war, konnte die Erleichterung, das Befreiende spüren. Vieles fiel ab von der Mannschaft, die furios in die Saison gestartet war, einen Durchhänger im Herbst hatte, mühsam nach der Winterpause in Fahrt gekommen war – und nun in Bochum genau im richtigen Moment eine der besten Saisonleistungen abrief.

„Ein Klassespiel, eine fantastische erste Halbzeit von uns. Auf jeden Fall ist das ein großer Tag für uns. Dass wir bereits im April unsere beiden großen Saisonziele erreicht haben, ist nicht selbstverständlich. Diese Mannschaft genießt den höchsten Respekt, man kann ihr nur gratulieren“, verneigte sich Roger Schmidt um kurz nach fünf und zollte Tribut. Erstmals seit elf Jahren stehen die Preußen in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals, am Sonntag wurde das über allem stehende Ziel erreicht, der Sprung in die neue vierte Liga. Damit nicht genug, so der 41 Jahre alter Trainer, der vor der Saison vom Delbrücker SC losgeeist worden war: „Wir sind Erster und wollen das jetzt auch bleiben.“

Bochum und Schalke sitzen aber dem SCP weiter im Nacken. Das Trio hat die Hausaufgaben erledigt, nun geht es um die Kür. Vier Spieltage Schaulaufen, zwei Partien (Lotte und Ahlen) noch vor eigenem Publikum – Schmidts Prophezeiung, dass es eine wundervolle Saison werden kann, war offensichtlich so falsch nicht.

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