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Gesundheit

Reine Reparaturmedizin

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Männer werden anders krank als Frauen. Die Forschung steht in diesem Punkt zwar noch am Anfang. Eins ist aber sicher: Geschlechtsspezifische Unterschiede haben einen großen Einfluss auf verschiedenste Krankheiten. Das erfordert auch eine individuelle Gesundheitsvorsorge.

Auf der einen Seite spielten biologische Faktoren eine Rolle, erklärt Frank Sommer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit und weltweit erster Professor für Männergesundheit an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Schon in der embryonalen Entwicklung sei das Hormon Testosteron sehr wichtig für den Mann. „Ab der Pubertät beginnt es dann, erneut große Auswirkungen auf den männlichen Körper zu haben.“

Eine andere Ursache liegt in der Psyche und Erziehung. Ein Mann denke häufig, er müsse stark sein und dürfe keine Schwächen zeigen, sagt Sommer. Er sehe oft nicht die Notwendigkeit einer Vorsorgeuntersuchung. „Frauen betreiben Vorsorgemedizin, Männer hingegen Reparaturmedizin.“ Laut einer Studie in sechs europäischen Industrienationen und den USA geben 79 bis 86 Prozent der Männer zwischen 40 und 80 Jahren an, fit oder topfit zu sein. „Die Realität sieht natürlich ganz anders aus.“

Ein dritter Punkt ist die genetische Struktur der Chromosomen. Der Mann hat nur ein X-Chromosom und damit weniger genetische Informationen. Entständen hier Schäden, sei der Mann gefährdeter, weil die Frau prinzipiell noch auf ein zweites X-Chromosom ausweichen könne, erklärt Sommer.

All diese Faktoren legen eine individuelle Vorsorge für den Mann nahe. Das Herzinfarkt-Risiko zum Beispiel sei beim Mann zwischen 45 und 60 Jahren etwa dreifach so hoch wie bei Frauen, sagt Sommer. Männer litten auch stärker an Bluthochdruck.

Ganz wichtig seien Vorsorgeuntersuchungen, die Risikofaktoren und die familiäre Belastung mit einbezögen, empfiehlt Sommer. Gerade zwischen 20 und 30 könnten Männer ihren Lebensstil noch gut beeinflussen. „Ich würde raten, in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen, die gezielt an diesen Risikofaktoren arbeiten.“

Eben diese Faktoren betreffen vor allem das Herz-Kreislauf-System und das Krebsrisiko. Darüber hinaus sollten bei einer U-25-Vorsorgeuntersuchung die Ernährung, die körperliche Aktivität, der Bauchumfang sowie grundlegende Laborwerte untersucht werden. Auch psychische Krankheiten sind wichtig.

Die Vorsorgeuntersuchung mit 25 und auch der Gesundheits-Check-up mit 35 sind bezahlte Kassenleistungen, sagt Andre Vogel von der Unabhängigen Patientenberatung Kiel. Generell sei es für einen Patienten angesichts der Fülle an Vorsorgeuntersuchungen aber schwierig zu sagen, welche wirklich erforderlich sind. „Die Ärzte legen gerne Untersuchungen ans Herz, deren medizinische Notwendigkeit sich häufig nicht so eindeutig darstellt.“ Hier kann es sinnvoll sein, eine zweite Meinung einzuholen.

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