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Rettung in letzter Sekunde

Rheinenserin holt Zweijährigen aus Teich - Familie fährt einfach davon

Paul Nienhaus

Rheine - Das Entsetzen ist Michaela und Rene Schmidt anzusehen. „Dort im Wasser trieb der Junge“, sagt der Altenrheiner beim Ortstermin im Rheiner Stadtpark und deutet auf eine Stelle unweit des Teichufers. „Gerade mal der Haarkranz war zu erkennen, der immer wieder auf- und abtauchte“, schildert Rene Schmidt das Szenario, das sich dem Ehepaar am Sonntagabend im Stadtpark bot.

Mit beherztem Sprung ins Wasser rettete die bei der Bundeswehr ausgebildete Ret­tungssanitäterin Michaela Schmidt - selber Mutter eines fast dreijährigen Jungen - dem etwa zweijährigen Kind das Leben. „Wir fütterten gerade mit unserem Sohn die Enten, als die plötzlich wie aufgescheucht davonflogen“, berichtet Michaela Schmidt, wie sie und ihr Mann auf den im Wasser treibenden Körper des Kleinkindes aufmerksam wurden.

„Ich habe nur noch meinen Mann aufgefordert, auf un­seren Sohn aufzupassen, und bin dann in voller Montur ins Wasser gesprungen“, sagt sie. Etwa 1,50 Meter sei das Wasser im Uferbereich des steil abfallenden Stadtpark-Teiches an dieser Stelle tief. „Ich habe den Kleinen ans Ufer gezogen und Erste Hilfe geleistet.“ Zum Glück sei das Kind bei Bewusstsein gewesen und habe nur beruhigt werden müssen. „Ich habe laut um Hilfe geschrien und wollte die Eltern aufmerksam machen“, sagt sie.

Nach einiger Zeit sei die Mutter angelaufen gekommen, habe das Kind an sich genommen, es abgetrocknet und ihm trockene Sachen angezogen. „Ich habe mich als Rettungssanitäterin vorgestellt und die Eltern energisch aufgefordert, mit dem Kind ins Krankenhaus zu fahren“, meint sie. Immerhin seien Spätfolgen nicht auszuschließen.

„Das Kind könnte Wasser in der Lunge, einen Gegenstand verschluckt haben oder traumatisiert sein“, zählt sie Risiken auf. Umso geschockter seien sie und ihr Mann gewesen, als sie die Familie kurze Zeit später auf dem Parkplatz wiedertrafen. „Die reagierten überhaupt nicht“, beschreibt sie deren Verhalten.

„Weil wir uns Sorgen um den Jungen gemacht haben, hat mein Mann die Polizei gerufen und das Kennzeichen des Autos der Familie durchgegeben“, sagt die Altenrheinerin. Die Polizei habe sich später gemeldet und gesagt, die Familie sei nach Hause gefahren. Dem Jungen gehe es gut.

Dies bestätigt Polizeisprecher Dirk Keienburg. „Die Kollegen haben sich überzeugt, dass keine Gefahr für Leib und Leben des Kindes bestand“, sagt er. Die Schmidts sind froh, dass die Sache glimpflich für den Jungen ausgegangen ist.

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