1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Richtig allein ist man nie

  6. >

Münster Marathon Content

Richtig allein ist man nie

Ulrich Schaper

Münster - Es müssen nicht immer die raumgreifenden, die langen Schritte der führenden Kenianer sein, die bei einem Marathon faszinieren. Manchmal sind es auch die kleinen Schritte, die in ähnlicher Weise Entschlossenheit und Zähigkeit demonstrieren und die damit einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Lange, nachdem die Spitze des Feldes das Ziel erreicht hat, strömt das Gros der Läuferschar Richtung Prinzipalmarkt. Wie eine Ziehharmonika auseinandergezogen, manche im Pulk, manche allein, haben auch sie den Traum unter den Fähnchen und dem Applaus der Zuschauer einzulaufen - 42,195 Kilometer hinter sich.

Anja Marx war im vergangenen Jahr eine der letzten gewerteten Läufer des Volksbank-Münster-Marathons 2008. Für ihre Premiere auf der Langdistanz benötigte sie 5:30:57 Stunden.

Gemeinsam mit ihrer Laufgruppe vom ETuF Rheine hat sich die 40-Jährige zwei Jahre lang auf den Lauf-Klassiker vorbereitet. „Das ist wie eine Art Gruppenzwang. Die anderen melden sich an und ehe man sich versieht hat man auch einen Startplatz“, beschreibt Anja Marx die Beweggründe für ihre Anmeldung. Beharrlich, mit Fleiß und aller Konsequenz, spulte sie ihr Vorbereitungsprogramm herunter. „Vier Mal die Woche sind wir gelaufen. In der Summe waren das immer zwischen 50 und 60 Kilometer“, sagt Marx. Dann war er da, der längste Tag im September.

„Das ist ein seltsames Gefühl vor dem Startschuss, unheimlich spannend, sehr aufregend“, erinnert sich die Läuferin. „Es war morgens noch sehr kalt, aber innerlich hat man schon geschwitzt.“

Nach dem Startschuss bewegt sich das Feld noch nahezu geschlossen durch die City. „Ein schönes Teilstück, durch die Innenstadt.“ Bis zum Halbmarathon lief für Marx alles nach Plan. Dann setzten Schmerzen im Schienbein ein, die bis hoch ins Knie zogen. „Das Teilstück zwischen Nienberge und Roxel war das schlimmste, ich musste viel gehen.“ Das Feld teilte sich immer weiter, bis hier und da einzelne versprengte Läufer übriggeblieben waren. „So richtig allein ist man allerdings nie. Einige Läufer überholt man und dann, wenn man selbst gehen muss, sieht man sich wieder.“

Wenige Kilometer, das Ziel vor Augen, wurde die 40-Jährige von ihren Mannschaftskollegen „abgeholt“. „Die kamen teilweise mit Rad, teilweise zu Fuß und haben mich begleitet“, sagt Marx. Bei füneinhalb Stunden blieb die Uhr damals stehen. „Zufrieden bin ich damit nicht. Wenn man gehen muss, dann ist das kein richtiger Marathon.“

Auch für die achte Auflage hatte sie bereits gemeldet, bis ihr eine Rückenverletzung einen Strich durch die Rechnung machte. „In Gedanken begleite ich die anderen.“ Wenn sie sich mit kleinen Schritten dem Ziel nähern.

Startseite