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Römer, Burgen, Jakobspilger: Westfalens Archäologie-Schätze

Elmar Ries

Münster - Raus aus der Nische akademischer Selbstgenügsamkeit, hinein ins Licht der Öffentlichkeit; zeigen, was alles an Pfunden da ist, zeigen, was man kann: Die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben am Montag in Münster eine Tagung zum Thema Archäologie in Westfalen-Lippe veranstaltet.

Das ist zunächst einmal nicht ganz so außergewöhnlich. Ihre besondere Note erhielt die Veranstaltung durch den Premierencharakter - im Gegensatz zum Rheinland gab es so etwas hier bislang nicht, und durch die politische Botschaft, die sich hinter Varus und jungsteinzeitlichen Siedlungsplätzen, hinter Pilgerwegen und merowingischen Waffen verbarg: Nach der kulturgutachterlichen Klatsche der Landesregierung vor mehr als einem Jahr fühlten sich die Kreise und Kommunen und mit ihnen der LWL auf- und herausgefordert, die Schatzkisten Westfalen-Lippes publikumswirksamer zu öffnen.

Den Aufschlag machen also die Archäologen: „Wir wollen die guten Ergebnisse des vergangenen Jahres vor möglichst großem Publikum präsentieren“, sagt LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff- Thale. Dann wirft die Landesrätin salopp ein paar „Kennzahlen“ ins Auditorium, die staunen machen. Dass im vergangenen Jahr jeden Monat 30 Ausgrabungen und diesbezügliche Untersuchungen stattgefunden haben, dass Hunderte von Exponaten geborgen wurden und dass 250 000 Besucher in die drei Landesmuse­en kamen, „natürlich auch und vor allem wegen der Ausstellungen im Varus-Jahr“.

Dieses Mega-Ereignis - zur Eröffnung war eigens Angela Merkel angereist - war populär und im Nachklapp auch wissenschaftlich äußerst er­gie­big. Dr. Rudolf Aßkamp, Leiter des Römermuseums in Haltern, jedenfalls ist „jetzt zu 99 Prozent davon überzeugt“, dass es sich bei der bekannten Militäranlage bei Haltern um das sagenumwobene Kastell „Aliso“ handeln muss. Wenn dem so ist, muss die Römergeschichte in Haltern wohl umgeschrieben werden.

Eine Siedlung aus der Jungsteinzeit bei Nottuln, historische Gräber in Olfen, Vorzeit-Delfine an der Emscher, Neues von der Sparrenburg in Bielefeld, der Hellweg als westfälischer Pilgerweg nach Santiago de Compostela, Goldmünzen aus Hiddenhausen oder ein frühneuzeitliches Munitionsdepot im Kreis Herford: Deutlich wurde am Montag, was der Öffentlichkeit bisher nie offensiv und von Selbstbewusstsein getragen schmackhaft gemacht wurde. Dass sich der westfälisch-lippische Landesteil auch in puncto archäologische Bedeutsamkeit nicht verstecken muss. Weil das so ist, so kündigte Rüschoff-Thale am Montag an, „werden wir den Tag der Archäologie von nun an in jedem Jahr veranstalten“. Am Montag bei der Premiere, waren 250 Gäste vertreten. „Ich prophezeie Ihnen aber, das werden in den nächsten Jahren viel mehr“, sagte Dr. Thomas Otten, Leiter des Referates Bodendenkmalpflege im Düsseldorfer Bauministerium - wiederum mit einer augenzwinkernd, rheinländischen Spitze: „Bei uns gibt es solche Tagungen schon länger, da hatten wir genau diese Entwicklung.“

Einmal noch zurück zu den Römern: Welcher Fundort ihr denn im vergangenen Jahr der liebste gewesen sei? Da überlegt die Landesrätin kurz, weil die Antwort ja eher subjektiv ist: „Meine liebste Fundstätte . . . ist das römische Feldlager bei Porta Westfalica“, sagt Rüschoff-Thale - schließlich ist immer noch nicht gänzlich ausgeschlossen, dass Varus im Jahr neun nach Christus von dort aus in den Teuto wider die Germanen zog.

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