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Rot Weiss Ahlen

RW kämpft jetzt um Sponsoren

Franz Prinz

Ahlen. Als Schiedsrichter Malte Dittrich das Regionalligaspiel zwischen Rot-Weiß Ahlen und dem HSV 2 abpfiff, atmeten Heinz-Jürgen Gosda und Bernd Mehring erst einmal tief durch. Eine harte Woche hatte einen guten Abschluss gefunden, stand doch vor dem wichtigen 3:0-Erfolg ein nicht minder entscheidendes Votum Ahlener SPD- und CDU- Politiker, die den Rot-Weißen in der vergangenen Woche einen 180 000-Euro-Scheck für die Unterhaltungskosten des Stadions zugebilligt hatten.

Im Doppelpack hatten die RW-Oberen in den vergangenen Wochen viele Gespräche geführt und in den Fraktionen selbst die Situation des Clubs dargelegt. Die Entscheidung der beiden großen Ratsfraktionen pro RW Ahlen ist das vorläufige Ende einer fast schon unendlichen Geschichte, denn seit den 90er Jahren kämpfen die Verantwortlichen aus dem Ahlener Osten um Gleichbehandlung mit den Clubs, die ihren Sport auf städtischem Grund und Boden betreiben. Jetzt scheint ein Umdenken stattgefunden zu haben.

Ein mehr als gutes Signal für den Verein Rot-Weiß Ahlen, ist doch der Kampf um einen ausgeglichen Haushalt in diesen Tagen so hart wie niemals zuvor – auch, weil kurzfristig ein Sponsor durch Insolvenz ausgefallen war. Hier war dem Club immerhin ein hoher fünfstelliger Betrag zugesprochen worden. Zudem hielten andere Kleinsponsoren ihre Zusagen nicht ein.

„Es wird immer schwerer für uns, ein solides Fundament zu bauen“, umschreibt Bernd Mehring die Lage seines Clubs noch vorsichtig. Gleichzeitig bezeichnet er die Entscheidung der Politiker als wichtige Weichenstellung: „Wenn wir auf Dauer wissen, dass es hier zukünftig eine Gleichstellung geben kann, hilft uns dies auch bei der Sponsorensuche.“ Denn viele, die den Club sponsern, hatten die kommunale Unterstützung eingefordert, sogar ihren Rückzug angedeutet, falls hier nicht für Gerechtigkeit gesorgt werde. „Auch für uns eine schwierige Situation.“ Mehr will Mehring hierzu nicht sagen.

Dass es jetzt aber erst recht darauf ankommt, die bisherigen Sponsoren zu halten und vor allem auch neue zu gewinnen, macht Ahlens Aufsichtsratschef unmissverständlich klar: „Wir werden Kampagnen starten müssen und hoffen, unseren Sponsorenpool erweitern zu können.“ Hier setzt er besonders auf den aktuell positiven Schub, der von der Mannschaft ausgeht: „Ich glaube, dass viele Ahlener inzwischen anerkennen, was wir hier leisten, denn die Fans kommen, loben und freuen sich mit uns.“ Endlich höre er auch mal positive Stimmen in der Stadt. Und insbesondere auch Ahlener, die sagen, dass sie hochklassigen Fußball in der Stadt sehen wollen. Dies tue gut und entschädige für „viele Anfeindungen, die wir uns aus mir unerklärlichen Gründen nach der Vereinsgründung immer wieder gefallen lassen mussten“.

Egal ob Dritte oder Vierte Liga, alles zu stemmen werde jedoch auf Dauer schwer genug und sei nur mit Unterstützung von Fans, Wirtschaft und Kommune möglich. Auch, weil die Forderungen von DFB und DFL immer skurriler werden. So verlangt die DFL zum Beispiel für die Drittligalizenz von jedem Club einen Nachweis über zwei Millionen Euro für Gehaltskosten – egal, ob ein Club diese Summe für seine Spieler aufbringen will. Es müssen Bürgschaften oder Nachweise entsprechender Festgeldkonten (wer hat die schon?) über diese Summe vorgelegt werden.

Für Rot-Weiß Ahlen bedeutet dies, dass sich der Etat für die Dritte Liga inklusive der Aufwendungen für Juniorensport, Anlagen etc. auf rund drei Millionen Euro belaufen muss. Bei diesen Summen, die als Mindestbetrag ja auch für die anderen Clubs gelten, wird deutlich, warum die meisten Vereine über die bislang zugebilligten rund 650 000 Euro Fernsehgelder nicht glücklich sind.

Fast 400 000 weniger gibt es für die neue Regionalliga, dann aber auch deutlich weniger Sponsorengelder, denn für die Vierte Liga werden viele Unternehmen ihr Invest herunterdrosseln.

Berücksichtigt man alle diese Rahmenbedingungen, wird immer deutlicher, warum die Spitzen von Rot-Weiß Ahlen so hart um die Gleichbehandlung bei der Bewirtschaftung des Stadions kämpfen. Hier bleiben die Aufwendungen immer gleich, egal in welcher Liga man spielen wird. Diesen Batzen auf Dauer nicht mehr tragen zu müssen, dürfte daher auch ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Existenzsicherung von Rot-Weiß Ahlen sein.

So beleuchten die Verantwortlichen von Rot-Weiß in diesen Tagen alle möglichen Konstellationen und stellen Haushaltspläne sowohl für die Regionalliga als auch Dritte Liga auf.

Natürlich auch für die Zweite Liga, dies jedoch nur, weil es die DFL will. „Wir müssen die Qualifikation für die Dritte Liga schaffen, und dafür brauchen wir mindestens 54 Punkte, erst wenn wir die haben und dann noch einige Spiele zu spielen sind, kann man vielleicht mal anfangen, über andere Ziele nachzudenken“, will Bernd Mehring von der Zweiten Liga verständlicherweise in diesen Tagen nichts wissen. Er erinnert an die vergangene Saison: „Als wir damals eine ähnliche Diskussion begonnen hatten, ging es bergab.“ Deshalb wolle man die Kirche im Dorf lassen und erst einmal alle Kräfte bündeln.

An erster Stelle stehe für den Club allerdings erst einmal der Kampf um Sponsoren. Dies machte der Aufsichtsratschef von Rot-Weiß Ahlen deutlich: „Hier setze ich jetzt auf den bereits erwähnten Ruck in Ahlen, denn wir wollen im nächsten Jahr nicht nur gutklassigen Fußball in Ahlen anbieten, sondern unseren Spielern auch weiterhin regelmäßig ihr Gehalt überweisen, und dafür benötigen wir eine solide Grundlage.“

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