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Salat-Anmache in Neuseeland

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Neuseeland ist ein junges Land, das zuerst zwangsbesiedelt wurde von Menschen, die auf die schiefe Bahn gekommen waren. Später kamen Bauern hinzu, die im Königreich kein Ackerland besaßen und sich eine neue Existenz aufbauen wollten. Sie trafen dort auf die Ureinwohner, die Maori. Schließlich gesellten sich Menschen aus allen möglichen Erdteilen dazu. Kein Wunder, dass in einem solchen Land ein aufregendes Völkergemisch entsteht.

Das heißt aber noch lange nicht, dass die Küche ebenso spannend ist. Genauso wie ich meine, dass man erst seit der Zeit vernünftig in den Niederlanden essen kann, als aus den Kolonien die Asiaten (hauptsächlich Indonesier) dorthin kamen. Ebenso ist die Küche in Neuseeland von indischen und weiteren asiatischen Einflüssen geprägt.

Noch immer wirken in Neuseeland die Spätschäden der Mutterland-Esskultur nach: Wenn beim Hotelfrühstück am Nebentisch rotblonde Ladys auf Toastscheiben fingerdick gebackene Bohnen in Tomatensauce schaufeln, mit sechs bis acht salzigen Scheiben Bacon belegen und dann mit sogenanntem Rührei (in der Konsistenz von porösem Eierstich) scheibenweise luftdicht versiegeln, bekomme ich schon morgens Lust zum Heiraten. Mein Bedarf an Toast und Sandwich, Rührei und Muffins ist jedenfalls für Jahre gedeckt.

Dabei gibt es reichlich hochwertige landeseigene Produkte – ich habe jedenfalls noch nie so gute Milch getrunken, selten so gutes Lamm und vollreifes Obst gegessen und noch nicht oft so guten Fisch und Schalentiere. Die Küchenchefs nutzen das, indem sie sich Rezept-Highlights aus aller Welt herauspicken, sie neu interpretieren und mit den Produkten Neuseelands kombinieren.

Allerdings kann die Bevölkerung von der Hamburger-Subkultur nicht lassen, und bei Salaten herrscht absolute Einfallslosigkeit. Unser Reiseleiter muss sich die Salate immer selbst würzen, weil seine Frau ihm das Grünzeug nur gewaschen und geschleudert auf den Tisch stellt. So hat sie das von ihrer Mutter, einer Engländerin, gelernt, und ich weiß von Freunden, dass das in England auch noch sehr oft so gemacht wird.

Dabei unterscheidet ja gerade ein gutes Dressing den Menschen von der Kuh – sonst könnten wir ja gleich grasen gehen. Allerdings gibt es eine rühmliche Ausnahme: Der „Caesar Salad“ ist der Einzige, den man überall in Neuseeland in guter Qualität bekommt. Ich finde, dass man durch Erweiterung des Originals eine vollständig sättigende gute Mahlzeit daraus machen kann.

Hier also das Rezept für „Caesar Salad“: Grob gewürfeltes Ciabatta und Hähnchenschenkel werden gleichmäßig mit Pfeffer, Salz, Thymianblättchen und Olivenöl gemischt, in einem Bräter (unten das Brot, oben das Fleisch) bei 200 Grad Celsius etwa 50 Minuten im Ofen gebacken, mit Bacon belegt weitere 15 Minuten; leicht abgekühlt werden Fleisch (vom Knochen gelöst) und Bacon mit Gabeln grob zerpflückt, Salate vom Mittelstrunk befreit und mundgerecht zerteilt. Knoblauch und Sardellen (fein gemixt) werden mit Zitronensaft, Sauercreme, Parmesan und etwa zehn Esslöffel Öl verrührt und alle Zutaten gemischt. Einige grob geraspelte Parmesanspäne drüber, und schon wünsche ich wie immer: Guten Appetit. Außerdem eine charmante Woche und vergessen Sie nicht: Alles wird gar.

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