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Politik Ausland

Sarah Palin meldet sich mit einem Paukenschlag zurück

unserem Korrespondenten Friedemann Diederichs

Washington - Gestern ein Interview bei der US-Talkshowqueen Oprah Winfrey. Heute der Start einer Buch-Werbetour, um für ihre mit 1,5 Millionen vorbestellten Exemplaren schon längst als Bestseller festehenden Memoiren zu trommeln. Sarah Palin, die 45-jährige frühere Gouverneurin von Alaska und Ex-Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner, meldet sich mit einem Paukenschlag zurück.

Und die überwältigende Nachfrage nach ihren Erinnerungen zeigt deutlich: Unter den Konservativen Amerikas fliegen immer noch viele Herzen jener „Hockey-Mom“ zu, die im Sommer 2008 aus der Kälte Alaskas gekommen war und der verschlafenen Wahlkampagne von John McCain mit einem bejubelten Auftritt in Minneapolis zumindest zeitweise wieder Schwung und Hoffnung verliehen hatte.

Sie sei ein „Pitbull mit Lippenstift“, hatte sich damals die weithin Unbekannte der Öffentlichkeit präsentiert. Bei ihrem ersten Ausflug in die politische Literatur beißt sie deshalb auch auf über 400 Seiten herzhaft zu. Und macht dabei dem Buchtitel „Going rogue“ - was sich im Deutschen mit „Im Alleingang“ oder auch „Ohne Rücksicht“ übersetzen lässt - alle Ehre.

Ihr Leitmotiv ist die Rache am Lager ihres Mitbewerbers um das Weiße Haus, John McCain. „Sarah Barrakuda“, wie sie Mitglieder ihes Basketballteams früher nannten, beklagt sich unter anderem bitter (,,unerhört“) über latentes Kampagnen-Chaos und die Abschottung von den ihr so übelwollenden Medien - was von früheren McCain-Beratern schlichtweg damit begründet wird, man habe verhindern wollen, dass sich die vor allem außenpolitisch Unbedarfte weiter in Fettnäpfchen begibt.

Unvergessen dabei Palins Erklärung, sie kenne Russland, weil sie das Land von Alaska aus sehen könne. Und man habe sie auf Kosten für die Wahlkampagne sitzen lassen, klagt sie. Doch die absehbaren Buch-Erlöse von geschätzten fünf Millionen Dollar dürften es der fünffachen Mutter leicht machen, sie zurückzuzahlen.

Geschäftstüchtig ist sie also, die charmante Elch-Jägerin und frühere Schönheitskönigin. Doch gleichzeitig wuchern natürlich auch die Spekulationen: Was sind die politischen Ziele, die Sarah Palin mit ihrer Abrechnung verbindet? Dass sie sich weiter als geeignet für das Weiße Haus sieht, daran lässt die vor Selbstbewusstsein - oder ist es Selbstüberschätzung - strotzende Ex-Bürgermeisterin der 7000-Einwohner-Stadt Wasilla keine Zweifel. Ihre Buchtour ähnelt einer Wahlkampagne: Quer durch Amerika. Eine klare Aussage zu einer Kandidatur gibt es nicht, aber jede Menge Indizien. So ist Palin politisch - durch Facebook und Twitter - in den letzten Monaten extrem aktiv gewesen.

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