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Wahl Frankreich

Sarkozy gewinnt Präsidentenwahl

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Paris – Der neue französische Präsident heißt Nicolas Sarkozy. Nach einem stark polarisierenden Wahlkampf konnte der konservative frühere Innenminister die Stichwahl am Sonntag mit rund 53 Prozent klar für sich entscheiden. Die sozialistische Kandidatin Ségolène Royal musste dagegen mit rund 47 Prozent die dritte Niederlage der Linken in Folge bei einer Präsidentenwahl hinnehmen. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 85 Prozent.

Der scheidende Präsident Jacques Chirac beglückwünschte seinen Nachfolger und langjährigen innerparteilichen Rivalen zu seinem Wahlerfolg. US-Präsident George W. Bush überbrachte dem Sieger telefonisch seine Glückwünsche. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler gratulierten Sarkozy. Unter ihm werde „die bewährte deutsch-französische Freundschaft auch weiterhin die Grundlage sein, um Frieden, Demokratie und Wohlstand in Europa dauerhaft zu sichern“, erklärte Merkel am Abend in Berlin.

„Das französische Volk hat entschieden, mit Ideen und Gewohnheiten der Vergangenheit zu brechen“, sagte Sarkozy nach der Wahl. „Arbeit, Leistung und Autorität“ müssten wird mehr als Werte betont werden. „Ich werde den Franzosen den Stolz auf Frankreich wiedergeben.“ In seiner ersten Rede als gewählter Präsident versuchte Sarkozy gleichzeitig, Ängste bei seinen innenpolitischen Gegnern und im Ausland zu zerstreuen. Er wolle „Royal und ihrer Ideen“ achten, sagte Sarkozy und bekannte sich zugleich zum Aufbau Europas. Auch betonte er Frankreichs Freundschaft zu den USA.

Sarkozy wird am 16. Mai die Staatsgeschäfte von Chirac übernehmen. Seine Amtszeit dauert fünf Jahre. In den kommenden Tagen will Sarkozy sich nach Angaben seiner Sprecher zurückziehen, um seine Regierungsmannschaft aufzustellen. Royal gestand ihre Niederlage ein und stimmte ihre Anhängerschaft auf die Parlamentswahl im Juni ein. „Ich mache mit Euch weiter“, rief sie den Anhängern zu. Sie werde weiter für die „Erneuerung der Demokratie“ und „der Linken“ kämpfen.

Sarkozy äußerte einen „unsagbaren Stolz“, Franzose zu sein. Er fügte aber hinzu: „Mein ganzes Leben war ich Europäer.“ Er rief die EU-Partner auf, „die Stimme der Völker“ zu hören. Als „großen Traum“ nannte er die friedliche Einigung des Mittelmeerraumes nach dem Vorbild Europas. Sarkozy erinnerte Washington an seine „Pflicht“, sich als großes Land an die Spitze des Kampfes gegen die Erderwärmung zu setzen. Frankreich werde „immer an der Seite“ Amerikas stehen. „Die USA können auf unsere Freundschaft rechnen“, sagte er unter dem Beifall seiner Anhänger.

Sarkozys Anhänger feierten seinen Sieg am Abend auf den ChampsElysées und mit einem Konzert auf dem Concorde-Platz. Zuvor hatte sich viel Prominenz um den künftigen Staatschef gesammelt. Darunter waren Altrocker Johnny Hallyday, der Schauspieler Jean Reno, der Radprofi Richard Virenque, der Medien- und Luftfahrtunternehmer Arnauld Lagardère und der Philosoph André Glucksmann.

Der Wahlausgang hing wesentlich von der Stimmübertragung der Wähler des Zentrumspolitikers François Bayrou und des Rechtsradikalen Jean-Marie Le Pen ab. Bayrou will zur Parlamentswahl eine neue MittePartei gründen. Auch bei den Sozialisten gibt es Bestrebungen für eine Neuorganisation der Parteienlandschaft. So kündigte der frühere Wirtschaftsminister Dominique Stauss-Kahn eine „sozialdemokratische Erneuerung“ an.

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