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Wahl Frankreich

Sarkozys Törn auf Milliardärs-Yacht schlägt hohe Wellen

wn

Paris – Vielleicht hätte er sich doch lieber in ein Kloster zurückgezogen, um über seine künftige Rolle als Staatspräsident der Wirtschafts- und Atommacht Frankreich nachzudenken. Doch nein, aus einem Abstecher zu den Mönchen wurde nichts, Nicolas Sarkozy erholte sich ganz anders von seinen Wahlkampfstrapazen: Auf dem 60,25 Meter langen schwimmenden Palast „Paloma“ des Milliardärs Vincent Bolloré spannte der 52-Jährige vor der Küste von Malta aus – eine zweitägige Mini-Kreuzfahrt, die bis nach Frankreich ordentliche Wellen schlägt. So hoch, dass Sarkozy selbst am Mittwoch vom Mittelmeer aus Stellung bezog: „Ich habe nicht vor, mich zu verstecken und zu entschuldigen.“

Noch ist Sarkozy nicht im Amt, die Geschäfte wird er erst am 16. Mai von dem als ausgabefreudig bekannten Jacques Chirac übernehmen. Doch sein Image festigt sich bereits, ein neuer „Stil ohne Komplexe“ zeichnet sich ab. „Er ist noch Privatmann“, versucht Sarkozys Team all die Wogen zu glätten. Der künftige Präsident komme auch schon am Mittwochabend zurück. So baut der konservative Abgeordnete Christian Estrosi rasch eine Verteidigungslinie auf: „Man möge ihm doch die 48 Stunden gönnen. Er wird 1825 Tage rund um die Uhr daran setzen, das Land zu verändern.“ Gemeint sind fünf Jahre als „Präsident aller“.

Da sind indessen auch die Kosten, für die nicht Sarkozy aufkommt. Der als Firmenaufkäufer bekannte französische Milliardär Vincent Bolloré stellte Sarkozy sein Luxusschiff mit zwölf Kabinen und Whirlpool samt 17-köpfiger Besatzung für diese zwei Yacht-Tage zur Verfügung. Es sei ihm eine Ehre gewesen, „Monsieur Sarkozy“ als Gast auf seine Yacht geladen zu haben, beeilte sich Bolloré noch mitzuteilen. Der künftige Staatschef profitierte so von seinen Beziehungen zu den Begüterten – 40 000 Euro kosten zwei Tage auf der „Paloma“, rechneten Medien aus.

Dass der 52-Jährige sich nach Art „eines Neureichen, der im Lotto gewonnen hat, ungezügelt diesem Luxus hingibt“ („La Dépêche du Midi“), während es daheim doch gewalttätige Proteste gegen ihn gibt, fasziniert und irritiert die Franzosen gleichermaßen. Was sie von dem Stil seines ersten Ausflugs nach der Wahl so halten, werden nicht nur Umfragen ans Tageslicht bringen. Denn Frankreich steht in einem Monat schon wieder vor einem Urnengang. Dann geht es um das Parlament. Auch dort braucht der Präsident eine Mehrheit, um Reformen durchzusetzen.

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