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IVZ-Lokalfenster - Tecklenburger Land

Säugling wurde schwer misshandelt

Sabine Plake

Ibbenbüren. Offenbar aus Überforderung hat eine Mutter ihrem gerade erst drei Wochen alten Säugling schwere Schädelverletzungen zugefügt. Nach eigenen Angaben hatte sie den kleinen Jungen auf das Bett geworfen, von dort war er heruntergefallen und an einen Schrank geprallt.

Ob ihre Version stimmt, überprüft allerdings gerade die Polizei sowie die Staatsanwaltschaft Münster. „Momentan ermitteln wir gegen die Eltern, also sowohl gegen die Mutter als auch gegen den Vater. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen“, so Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer.

Die eingeschaltete Gerichtsmedizin habe allerdings bestätigt, dass die Verletzungen zu den ersten Schilderungen passen könnten. Deswegen werde gegen die Eltern wegen gefährlicher Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen ermittelt.

Am Dienstag vergangener Woche war die 29-jährige Mutter mit ihrem Kind im Klinikum Ibbenbüren aufgetaucht. Zuvor hatte sie das „Betreute Wohnen“ besucht – eine städtische Einrichtung, in dem Menschen mit sozialen Schwierigkeiten betreut werden.

Ein dortiger Mitarbeiter war auf die Verletzungen des Säuglings aufmerksam geworden und hatte die Mutter aufgefordert, mit dem Jungen einen Arzt aufzusuchen, berichtet der 1. Beigeordnete der Stadt Ibbenbüren, Volker Strothmann. Das habe die Mutter dann auch getan. Gleichzeitig hatte der Mitarbeiter das zuständige Jugendamt informiert.

Nachdem die Ärzte im Klinikum Ibbenbüren die schweren Schädel-/Hirnverletzungen festgestellt hatten, die dem Säugling laut Staatsanwaltschaft offenbar schon am Wochenende zuvor (10./11. November) zugefügt worden waren, wurde er in die Kinderklinik des Mathias-Spitals in Rheine verlegt.

Die Stadt Ibbenbüren habe die Vormundschaft für den kleinen Jungen übernommen, erklärte Strothmann auf Anfrage. Dieser erhole sich „ganz gut“, so Strothmann vorsichtig. „Vielleicht haben wir Glück im Unglück gehabt. Allerdings kann man nie sagen, ob nicht doch Folgeschäden zu befürchten sind.“

Die Frau war vom Jugendamt schon vor der Geburt begleitet worden. „Sie war bis 2006 im Haus an der Oststraße vom Sozialamt wegen sozialer Probleme betreut worden.“ Im März 2006 habe sie von sich aus die Betreuung abgebrochen. Danach habe sie zu den Mitarbeitern losen Kontakt gehabt. Als die erfuhren, dass die Frau schwanger war, schalteten sie das Jugendamt ein, das die Frau vor und nach der Geburt betreut und beraten habe. „Es gab keinerlei Schwierigkeiten oder Auffälligkeiten“, so Strothmann. „Es hat alles gut geklappt. Das ist offenbar einer dieser tragischen Fälle, die durchrutschen können.“

Noch sei nicht entschieden, wie es weitergehe. Hier arbeiten die Stadt und das Amtsgericht zusammen. „Einen Verbleib des Säuglings in der Familie halte ich für undenkbar“, so Strothmann. Vielleicht werde eine Pflegefamilie für den kleinen Jungen gesucht.

Momentan sei einfach nur wichtig, dass das Kind wieder gesund werde und in der Klinik „ist es hervorragend untergebracht“. Zudem werde der Heilungsprozess noch eine geraume Zeit dauern.

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