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Schilddrüse

Martina Döbbe

Münster. Ist die Schilddrüse krank, dann spüren Betroffene das oftmals gar nicht exakt an der Stelle, an der das schmetterlingsförmige Teilchen sitzt. Die Probleme treten woanders auf: „Vom Scheitel bis zur Sohle“, charakterisierte Prof. Dr. Otmar Schober, spüren Patienten die Auswirkungen. Und beschrieb damit auch die Problematik: Die kranke Schilddrüse sendet Signale, die es durchaus auch bei anderen Erkrankungen gibt.

Wassereinlagerungen, teigfarbene Haut, die Neigung zu frieren – Hinweise für eine Unterfunktion des Organs. Herzrasen, Durchfall, schnelles Schwitzen – Hinweise auf eine Überfunktion. In der Abendvisite am Dienstag erläuterte der Direktor der Klinik für Nuklearmedizin der Universität Münster, welche Störungen es in der Schilddrüse gibt, wie sie diagnostiziert, und wie sie behandelt werden.

Erkrankungen der Schilddrüse, das betonte Prof. Schober ausdrücklich, sind mittlerweile eine Volkskrankheit geworden. Studien belegen, dass ein Drittel der Deutschen betroffen ist. „Und zwar Männer und Frauen gleichermaßen“, räumte Schober mit dem Vorurteil auf, Schilddrüsenerkrankungen beträfen in erster Linie Frauen.

Die Hormone, die in der Schilddrüse produziert werden, versorgen den gesamten Körper: „Deshalb auch die verschiedenen Auswirkungen, wenn eine Störung auftritt“, erläuterte der Fachmediziner.

Die Diagnostik bietet drei Möglichkeiten, einer Erkrankung auf der Spur zu kommen: Blutuntersuchungen, Ultraschall und Szintigraphie. Bei einem Ultraschall lässt sich beispielsweise ein Knoten im Gewebe erkennen. Die Szintigraphie, bei der intravenös ein radioaktives Kontrastmittel gespritzt wird, gibt Aufschluss, ob es ein „kalter“ oder ein „warmer“ Knoten ist. „Das ist wichtig für die Feststellung, ob der Knoten überhaupt arbeitet, ob er zu viel oder gar nicht arbeitet“, so Schober.

Für die Behandlung sei oberstes Prinzip, sie individuell auf den Patienten abzustimmen: „Medikamente, eine Operation oder eine Radiojod-Therapie“, nannte Schober drei Säulen für eine erfolgreiche Therapie. Die Vor- und Nachteile gelte es jeweils gegeneinander abzuwägen.

Alles in allem: „Erkrankungen der Schilddrüse sind – im Gegensatz zu früher – heute sehr gut behandelbar“, betonte Schober. Selbst der gefürchtete Schilddrüsenkrebs – „der äußerst selten ist“ – habe eine gute Prognose: „Studien haben gezeigt, dass zehn Jahre nach der Diagnose 90 Prozent der Betroffenen noch leben.“

Schober mahnte aber, auf die Symptome zu achten und sie ernst zu nehmen. „Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser die Aussichten für eine Heilung.“

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