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Schleppende Konkurrenz: Wenig Wettbewerb im Schienen-Fernverkehr

Dirk Anger

Münster - Dass private Konkurrenz der Deutschen Bahn (DB) in den nächsten Jahren im Fernverkehr mächtig Dampf macht, sehen Verkehrsexperten eher zurückhaltend. Teils komplizierte rechtliche Rahmenbedingungen und hohe Investitionen stünden dem entgegen. Gleichwohl will ab Mitte 2011 der private Hamburg-Köln-Express mit Halt in Münster drei Mal täglich in beide Richtungen fahren.

Ein Projekt, das bundesweit für Aufmerksamkeit sorgen dürfte: Denn es wäre dann die längste nationale Verbindung, die von einem privaten Schienenunternehmen in Konkurrenz zur Deutschen Bahn angeboten wird, wie es heißt.

Mehr Druck auf die Bahn verspricht sich der Verkehrsexperte der Industrie- und Handelskammer (IHK), Joachim Brendel, von dem Vorhaben des Unternehmens „locomore rail“. Und dieser Druck ist nach Einschätzung der IHK vonnöten. Denn in den vergangenen zehn Jahren seien die Fernverkehrsverbindungen in Münster beinahe halbiert worden. Was der wirtschaftlichen Attraktivität und der Bedeutung der Region ganz und gar nicht entspreche.

Politik und Verwaltung hätten sich darum „eher wenig“ gekümmert, kritisierte IHK-Vizepräsident Norbert Redemann gestern anlässlich des Verkehrsforums der Kammer. „Ich bin der Überzeugung, dass der Schienenfernverkehr deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt“, sagte Redemann mit Blick auf die „besonders dynamische Wirtschaftsregion Münsterland und die beim Strukturwandel gut vorankommende Emscher-Lippe-Region“.

Das wollte Harmen von Zijderveld von der Fernverkehrstochter der Deutschen Bahn naturgemäß so nicht gelten lassen: Wirtschaftliche Gründe seien ausschlaggebend, ob eine Strecke bedient werde. Was auch für die Direktverbindung Münster-Berlin gelte, die inzwischen nur noch einmal früh morgens befahren wird. Konkrete Zahlen allerdings konnte van Zijderveld auf Nachfrage nicht nennen.

IHK-Verkehrsexperte Brendel hat gewisse Zweifel an dieser Darstellung: Als Wirtschafts-, Wissenschafts- und Industrie-Standort gebe es in Münster und der Region genügend Nachfrage nach einer solchen Direktanbindung. Allerdings ließ auch Derek Ladewig von locomore rail durchblicken, dass die Strecke Münster-Berlin für sein Unternehmen vorerst keine Option sei.

Wie sich die Konkurrenz privater Unternehmen im Schienenverkehr künftig auswirkt, wird unterdessen unterschiedlich bewertet. Ein Stück weit mehr Fahrgäste erwartet Derek Ladewig, dagegen sieht DB-Mann van Zijderveld keine Angebotsausweitung, sondern nur eine Marktaufteilung. Einen skeptischen Blick auf die Konkurrenz-Situation im Fernverkehr hat Marc Bataille von der Monopolkommission: In den nächsten vier Jahren erwartet er in diesem Bereich keine weitere Ausdehnung.

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