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Schnarch-Serie

Schnarch-Finale: „Gute Nacht, Schätzchen“ bleibt ohne Replik

Ulrich Reske

Greven - Das also ist es. Aus biegsamem Kunststoff, ein Überziehermodell für den Unterkiefer. Matt, durchsichtig, federleicht und mit einer kleinen Silberplakette mit den Initialen UR. Wegen der Verwechselungsgefahr. Vom hohen Tragekomfort schwärmt „Schienenmacher“ Uwe Bußmeier. Kein leeres Versprechen, ergänzt der Zahntechniker, denn zu Hause an seiner Seite liege seit geraumer Zeit die Ehefrau, die Dank dieser Schiene geräuschlos und entspannt durch die Nacht komme.

Doch letztlich kann nur durch den Selbstversuch der Beweis angetreten werden, dass die passgenaue Unterkieferüberformung nebst dem Schildpatt im Bereich des Oberkiefers das sägende Schnarchgeräusch zum leichten Säuseln reduzieren kann.

Die „Nacht der Nächte“ soll den Beweis erbringen. Noch Tage vorher hatte die liebste Ehefrau der Welt bitterlich Klage geführt. Selbst dämmende Ohropax-Stöpsel hätten das sich zu einem Geräuschsturm aufbrausende Schnarchereignis nicht verhindern können. Im Klartext: Deine Schnarch-Attacken führen zur nächtlichen Schlaflosigkeit im Ehebett. „Säge an der Liebe“? Nein, da hilft das getrennte Schlafzimmer.

Ein bisschen Herzklabastern ist schon dabei, als wir nach 23 Uhr die Bücher zur Seite legen und die Lichter löschen. Im Dunkeln wird die Protrusionsschiene eingesetzt. Ein leichtes Knacken: Sitzt fest, hat Platz. Auf das „gute Nacht, Schätzchen“ gibt es keine richtige Replik mehr, denn die Schiene fungiert quasi als Maulsperre. Nicht sprechen, sondern schlafen ist angesagt.

Das Tageswerk sorgt für eine verkürzte Einschlafphase. Drei Stunden später der erste Aufwecker: Ein Fremdkörper in meinem Mund, eine tief schlafende Ehefrau neben mir. Der Fremdkörper ist rasch als das neue Anti-Schnarchmittel identifiziert, die leicht säuselnde Ehefrau vielleicht als Zeugin zunehmender Geräuschlosigkeit.

Eine gottlob ereignisarme Nacht findet gegen 7 Uhr ihr Ende. Weil´s ein bisschen fremd war, habe ich heimlich die Protrusionsschiene gegen 5 Uhr entfernt. Die „Nacht der Nächte“ wird im partnerschaftlichen Resümee als Erfolg verbucht. „Natürlich schnarchst du noch“, nimmt mir die Bettgenossin zunächst die allzu kühnen Visionen. Doch deutlich leiser und gleichmäßiger seien die Geräusche aus dem Nachbarbett, ergänzt sie zufrieden. Der Nacht der Nächte folgen weitere Nächte, die diese Ergebnisse unterstützen.

Schlafen mit Schiene? Fast immer, wenn wir das Bett teilen. Neulich gab´s allerdings einen Seiten-Puffer. Mein Schienen-Versäumnis hatte sich in höheren Dezibel-Zahlen bemerkbar gemacht. Schiene rein, Geräusche weg. Was wollten wir mehr?

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