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IVZ-Lokalfenster - Tecklenburger Land

„Schneewunder“ hinter der Kirche

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Hörstel. Winterwunderland in Rodde und Hörstel: Während im benachbarten Rheine, Dreierwalde und Püsselbüren kaum mehr als etwas Raureif an den Bäumen klebt, versank Rheines östlichster Ortsteil und der westliche Teil von Hörstel unter einer bis zu zehn Zentimeter dicken Schneeschicht. Die weiße Pracht fiel in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Es handelt sich um ein lokal ganz begrenztes Wetterphänomen.

In Hörstel konnte man gut erkennen, wo die Schneegrenze liegt. Unter einem weißen Kleid lag alles westlich der St.-Antonius-Kirche und der Harkenbergschule. „Ganz begrenzter Schneefall“, bestätigte Donnerstag auch der städtische Bauhof. Das Bauhofgelände an der Talstraße lag ebenfalls unter einer dicken Schneeschicht. Nur einige Hundert Meter entfernt war schon wieder Schluss mit der Winterpracht. In Bevergern fiel offensichtlich keine Flocke.

Wie ist so ein lokal begrenzter Schneefall möglich, obwohl die Orte etwa auf gleicher Höhe liegen? Selbst professionelle Wetterfrösche kommen da ins Grübeln. „Das gucke ich mir gleich mal selbst an“, reagierte Borchert Haake, Meteorologe an der Wetterstation Rheine-Bentlage, überrascht, als er von der weißen Pracht erfuhr.

Die Ursache für das „Schneewunder“ sei eine extreme Inversionswetterlage in Verbindung mit Feuchtigkeitsniederschlag vom Kühlturm des Kohlekraftwerks in Ibbenbüren. So erklärte es der Meteorologe Borchert Haake. Man muss sich das so vorstellen: Normalerweise steigt warme Luft nach oben und kühlt dort ab. Zurzeit ist es jedoch genau umgekehrt. Eine warme Luftschicht von etwa zehn Grad plus liegt wie ein Deckel über der aufsteigenden kalten Luft und hält sie unten. Bei einer Luftfeuchtigkeit von zurzeit fast 100 Prozent wegen der fehlenden Sonneneinstrahlung schlägt sich diese feuchte Luft dann als Schnee nieder. Verstärkt wird dieser Effekt durch die aufsteigende erwärmte Kühlluft des Kohlekraftwerks in Ibbenbüren, die der Ostwind fächerförmig in Richtung Rheine geweht hat. Bei den derzeitigen Minustemperaturen könne der Schnee durchaus ein paar Tage liegen bleiben, prognostiziert Haake.

Die Kinder in Hörstel und Rodde fragten nicht lange nach der Ursache. Sie holten den Schlitten aus dem Schuppen und spielten im Schnee, der zum Ferienbeginn gerade richtig kam.

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