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Schön in Weiß

Annegret Schwegmann

In all den Jahren, in denen Christina Busch nun schon Brautmode entwirft und verkauft, hat sie ihre Kundinnen gründlich einzuschätzen gelernt. Die erste Erfahrung: Eine Braut kommt selten allein. In der Regel wird sie von ihrer Mutter, ihrer besten Freundin, gelegentlich auch vom Vater oder künftigen Mann begleitet. Und: Eine Braut auf Brautkleidsuche entscheidet sich erst nach gründlicher Suche und auch dann erst, wenn sie sich ganz sicher ist.

Weitere Erfahrungswerte: Die Freundinnen der Braut sind in der Regel kritischer als deren Mütter, die fasziniert den Anblick ihrer Töchter im fließenden Weiß genießen. Die Väter sind ohnehin begeistert und gerührt, ihre Töchter so elegant gekleidet zu sehen. Die künftigen Ehemänner wiederum wünschen sich vor allen Dingen, dass die figürlichen Vorzüge ihrer Partnerinnen zum Vorschein kommen. „Wichtig ist ihnen auch, dass sie ihre Partnerinnen wiedererkennen“, erklärt Christina Busch und meint es genauso, wie sie es gesagt hat. Die künftigen Ehemänner befürchten offenbar, dass das Brautkleid ihre Liebste zu einer drapierten Fremden macht.

Die Designerin versteht diese Sorge. „Inszenieren ja, aber nicht verkleiden“, meint sie. In ihr Brautatelier in Münster kommen selten die 20-jährigen und häufig die 30-jährigen Frauen. „Das sind Frauen, die ihre Persönlichkeit unterstreichen wollen.“ 20-Jährige hingegen träumen zumeist von einem Auftritt als Prinzessin. Viele von ihnen bevorzugen den Reifrock für den großen Auftritt, so als heirate Scarlett O’Hara in einer westfälischen Kirche.

Christina Busch liebt das, was sie tut. In keiner anderen Mode „kann ich mich in diesem Beruf so auslassen“. Sie liebt klare Schnittführungen mit ausgesuchten Details, derzeit sind es Drapierungen, die einen Rock ganz dezent immer wieder anders aussehen lassen.

Frauen, die ein Brautkleid suchen, wissen, was sie wollen. Farbliche Experimente, die vielen Bräuten in den 80er Jahren gefielen, interessieren sie nicht. Sie wollen ein Kleid in Cremeweiß, eines, das zeigt, wie sie sich sehen und gesehen werden wollen. Und sie sind praktisch. Fast immer erkundigen sie sich nach den Möglichkeiten, Schuhe und Kleider nach der Hochzeit einzufärben. Christina Busch findet das sinnvoll und bedauert es, dass sie nur selten erfährt, ob das von ihr entworfene Kleid nun in einer neuen Farbe ausgeführt wird.

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