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Sein Sextrieb wird ihn verraten . . .

Achim Giersberg

Saerbeck/Kreis Steinfurt - Der Feind ist klein und unscheinbar - aber brandgefährlich. Eine Milliarde Dollar Schäden verursacht er pro Jahr alleine in den USA. Und allmählich rückt er auch in Deutschland vor. Kein Wunder, dass die Bauern im Kreis Steinfurt vor ihm zittern. Denn der Westliche Maiswurzelbohrer und seine Larven fressen die Wurzeln der Maispflanze, schwächen sie und lassen sie schließlich umkippen.

Käme der Käfer in der hiesigen Region an - die Folgen wären verheerend. Denn schließlich werden 45 Prozent der Ackerfläche im Kreis für den Maisanbau genutzt. Mais ist mit Abstand das wichtigste Tierfutter und auch als Energiepflanze für Biogasanlagen längst unverzichtbar. Anbauverbote und Ernteausfälle würden im Ernstfall viele Millionen Euro kosten.

Das zu verhindern ist die Aufgabe von Marion Zäpernick, Pflanzenschutzberaterin bei der Kreisstelle Steinfurt der Landwirtschaftskammer im Saerbecker Grünen Zentrum. Sie beobachtet die Maisäcker genau - und würde sofort Alarm auslösen, würde auch nur ein einziger Schädling gesichtet. Dabei überlässt sie nichts dem Zufall, sondern sucht systematisch nach dem Horror-Käfer.

47 Fallen platziert sie über das Kreisgebiet verteilt, speichert die Standorte in ihrem GPS-Gerät und kontrolliert alle zwei Wochen penibel, was ihr da auf den Leim gegangen ist. Denn „Falle“ hat in diesem Falle wenig mit einer Mausefalle zu tun: Ein klebriges Stück Kunststofffolie wird trichterförmig um den Maisstängel gebunden und als Köder fungiert ein mit Sex-Lockstoffen für den männlichen Käfern parfümierter Pheromon-Streifen. „Wäre im weiteren Umfeld einer solchen Falle ein Käfer, würde er magisch angezogen von diesem Lockstoff“, weiß Zäpernick. Und ist froh, dass ihr dieser Jagd-Erfolg bislang erspart geblieben ist.

Aber reichen denn 47 Fallen für das ganze Kreisgebiet?. Als die Landwirtschaftskammer 1999 mit dem Monitoring-Programm begann, waren es noch einige wenige Fallen; mittlerweile wurden sie schon mehrmals aufgestockt. Gut möglich also, dass es demnächst mehr als 47 werden, so wie im Nachbarkreis Borken, wo man schnell darauf reagiert hat, dass im August bei Köln und Kleve der Käfer gesichtet wurde. „Im Moment konzentrieren wir uns auf die Risikoplätze“, sagt Zäpernick. Risikoplatz - das ist vor allem der Flughafen Münster/Osnabrück, in dessen Umfeld allein 16 Fallen aufgestellt sind. Denn heutzutage reisen auch Käfer mit dem Flugzeug. Große Autohöfe oder Maiszuchtanlagen sind andere Risikoorte, die verstärkt unter Beobachtung stehen.

Was passiert, wenn ein Käfer gefunden wird? „Wir haben einen fertigen Notfallplan in der Schublade“, sagt die Pflanzenschutzberaterin. Darin ist geregelt, wie die entsprechenden EU-Vorschriften umgesetzt werden sollen. So darf in der gesamten Befallszone im Radius von einem Kilometer zwei Jahre lang kein Mais angebaut werden. Fünf Kilometer um die Befallszone wird der Anbau von Mais nach Mais verboten. Und natürlich kommen dann auch Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. „Die beste Vorbeugung ist, dass die Fruchtfolge eingehalten wird“, appelliert Zäpernick an die Landwirte.

Ein anderer gefürchteter Mais-Schädling hat es derweil schon bis in den Kreis Warendorf geschafft: Der Maiszünsler. Er könne leicht mit dem Wurzelbohrer verwechselt werden, sei aber eigentlich ein Schmetterling, erklärt Zäpernick, und fährt fort: . „Wir informieren die Landwirte derzeit über beide Schädlinge. Noch sind beide nicht bei uns angekommen, aber das kann ganz schnell geschehen.“

Zäpernick und ihre Pflanzenschutzkollegen bilden also so etwas wie die letzte Verteidigungslinie gegen den zu erwartenden Angriff. „Wenn sie da sind, rotten wir sie aus. Ich glaube da haben wir gute Chancen“, macht sich die Expertin Mut. Denn der Feind ist zwar klein und gemein - aber sein Sex-Trieb wird ihn in ihre Falle gehen lassen, hofft Zäpernick. Denn erst wenn er entdeckt ist, kann er bekämpft werden.

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