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60 Jahre nach ihrer Gründung sucht die Nato nach Orientierung

Sekt und Selters

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- Das Nordatlantische Verteidigungsbündnis hat so manchen Sturm überstanden. Seit der Gründung, im April 1949, hat sich die Sinn- und Existenzfrage infolge des Kalten Krieges zwischen Ost und West niemals wirklich ernsthaft gestellt. Erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gab es Stimmen, die die Nato für tot erklären wollten.

Irrtum: Die Allianz hat sich behauptet und erfolgreich gegen Feinde, Kritiker und Auguren zur Wehr gesetzt. Den 60. Geburtstag werden Politik und Militärs also zum Anlass nehmen, zufrieden Bilanz zu ziehen. Gleichwohl ist nicht zu übersehen, dass die Organisation in ihrer jüngeren Geschichte auch Federn gelassen hat. Zum Beispiel im Jugoslawien-Krieg, beim russischen Georgien-Feldzug, insbesondere aber im Anti-Terror-Einsatz in Afghanistan.

Beim Jubiläumsgipfel am 3. und 4. April in Straßburg und Baden-Baden darf es die Nato nicht beim Feiern belassen. Es gilt, den Blick nach vorn zu richten. Nach dem Machtwechsel im Weißen Haus stellt sich zwingend die Frage nach dem Kurs: Welche Strategie kann verhindern, dass Afghanistan zum Desaster für das Bündnis und dessen Zusammenhalt wird? Was sind die langfristigen strategischen Ziele? Und bedarf es dazu einer Erweiterung, zum Beispiel um so problematische Staaten wie Georgien und die Ukraine? In diesem Zusammenhang stellt sich automatisch die Frage: Wie will es die Nato mit Moskau halten?

Die Allianz muss auch in Zukunft ihrer Rolle als stabiler Pfeiler zur Verteidigung der westlichen Wertegemeinschaft gerecht werden. Allein, der Schlüssel dazu liegt nicht mehr nur in der militärischen Präsenz. Afghanistan signalisiert: Der Kompass muss sich stärker an zivilen Zielen orientieren. Das Bündnis steht vor einem Wandel: Das hat Bundeskanzlerin Merkel gestern im Bundestag zu Recht herausgestellt.

Straßburg und Baden-Baden winken nicht nur mit Sekt, sondern auch mit viel Selters.

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