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Selbstverständlichkeiten

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Keine Leistung - kein Geld. Jeder Handwerker muss damit leben, dass seine Kunden ihm mangelhafte Arbeit mit Abzügen beim Begleichen der Rechnung quittieren. Genauso wird es vermutlich schon zur Hauptreisezeit im Juli auch der Bahn gehen. Das hat der Bundestag gestern beschlossen, der Bundesrat wird vermutlich noch im Mai zustimmen.

Grund zum Jubeln für alle Bahnkunden? Eher nicht. Dafür ist die Entscheidung zu banal, dafür war sie zu absehbar. Nicht einmal die Bahn selbst, die jetzt stärker in die Pflicht genommen wird, protestiert ernsthaft. Und zudem stecken ein paar Webfehler im Gesetz.

Vorweg: Mit der neuen Regelung folgt Berlin nur einer Vorgabe aus Brüssel. In spätestens einem halben Jahr hätte die EU-Verordnung ohnehin umgesetzt sein müssen.

Jetzt darf sich der Passagier darauf freuen, dass er bei großen Verspätungen oder Zugausfällen Anspruch auf Rückzahlungen hat - bar und nicht mehr nur in Form von Gutscheinen, wie sie die Bahn nach einer „Selbstverpflichtung“ jetzt schon ausgibt.

So weit, so gut. Aber die Hürden liegen ziemlich hoch. Eine Stunde Verspätung muss schon zusammenkommen, bevor der Fahrgast sich überhaupt beschweren darf. In einer gehetzten Zeit ist das eine ziemlich üppige Spanne. Und erstattet wird überhaupt erst, wenn der Fahrpreis mindestens 16 Euro beträgt. Heißt unter dem Strich: Im Nahverkehr gibt es kein Geld zurück - auch wenn die Bahn fünf Mal die Woche zu spät kommt. Damit kann vornehmlich die Bahn gut leben.

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