1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. "Shutter Island": Ab auf die Insel

  6. >

Cine-Lenz

"Shutter Island": Ab auf die Insel

wn

Inseln kommen immer gut, wenn´s um Spannung gehen soll. Das wusste schon Daniel Defoe, der im 17. Jahrhundert „Robinson Crusoe“ schrieb und späterer Fantasy- und Abenteuerliteratur ein zentrales Thema bescherte: Was tut man, gestrandet auf einem Eiland, das rings um vom Meer umschlossen ist? Wie überleben? Auf Hilfe warten, ins Ungewisse fliehen, sich einrichten und ein neues Leben, gar eine neue Zivilisation aufbauen?

Das musste sich Tom Hanks als „Castaway“ ebenso fragen wie die Insassen jenes unglücksseligen Flugzeugs Oceanic 815, die eines Tages vor einer pazifischen Insel abstürzen: Die TV-Serie „Lost“ wurde zu einer der erfolgreichsten der Nullerjahre und wagt sich derzeit ins mysteriöse Finale.

Die Abgeschlossenheit des Schauplatzes Insel, auf dem sich niemand lange aus dem Weg gehen kann, ist für dramatische Zuspitzungen ideal.

Die Abgeschlossenheit des Schauplatzes Insel, auf dem sich niemand lange aus dem Weg gehen kann, ist für dramatische Zuspitzungen ideal. Sie funktioniert wie eine exotische Kammerspielbühne und spielt mit der Klaustrophobie der Situation. Auf der just verblichenen Berlinale liefen gleich zwei große Insel-Filme. Roman Polanski gewann für seinen Krimi „Ghost Writer“ den Silbernen Regie-Bären, vor allem auch, weil er das Zusammengepferchtsein seines Helden Ewan McGregor mit einem zweifelhaften Politiker auf der Insel Martha´s Vineyard so beklemmend inszenierte. Und eben Scorseses „Shutter Island“: Leo DiCaprio sucht als Ermittler eine gruselige Psychiatrie-Insel auf und verliert sich am Ende selbst. Die Insel als Metapher für die Isolation der Seele.

Eiland-Klamauk mit Bacardi-Feeling hat es von „Gilligans Insel“ bis zum „Fluch der Karibik“ natürlich auch immer gegeben, doch die dunkle Seite des Einsame-Insel-Wesens war stets interessanter: Wenn es dort, sturmumtost, zu den dramatischsten Konfrontationen kam („Key Largo“ mit Bogart) oder wenn James Bond dort auf seine schlimmsten Widersacher traf. Auch nach „Shutter Island“ und „Lost“ wird die Faszination bleiben: ringsum nur Wasser, man kommt nicht weg. Im besten Fall findet man sich selbst.

Startseite