1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Sie ist Freundin und große Schwester

  6. >

Ehrenamtsaktion „Mit dem Herzen dabei“

Sie ist Freundin und große Schwester

wn

NEUENKIRCHEN. Freitagnachmittag, halb drei im Franz-Wolters-Haus an der Marienstraße. Maria Roß wartet auf Anne-Kathrein Hagemann. Die Bewohnerin der Wohngruppe „Offlum“ kommt kurz darauf mit dem Bus aus Rheine, wo sie in den Emstor-Werkstätten arbeitet. Anne-Kathrein ist aufgeregt. Erstens war am Tag so viel los und zweitens freut sie sich auf Maria Roß. Für ihr ehrenamtliches Engagement im Franz-Wolters-Haus wurde Maria Roß für den Ehrenamtspreis „Mit dem Herzen dabei“ vorgeschlagen.

Freitagnachmittags unternehmen die beiden so richtig etwas. Mal in Rheine bummeln, ins Café gehen, im Sommer um den Offlumer See spazieren, beim Griechen essen. Oder Maria Roß begleitet Anne-Kathrein Hagemann zum Sport. An diesem Freitag geht es nach Bentheim. Sie besuchen Anne-Kathreins Mutter, die nach einer Knie-Operation dort in der Reha-Klinik liegt. Man sieht es Anne-Kathrein Hagemanns Augen: Sie freut sich drauf. Nein - beide freuen sich drauf.

Dreieinhalb Jahre pflegte Maria Roß ihren Mann, der an Krebs erkrankt war. Zuvor hatte sie 20 Jahre in der Bäckerei Werning gearbeitet. „Als mein Mann vor fünf Jahren starb, fiel ich in ein Loch. Ich wollte mich unbedingt sozial engagieren“, sagt Maria Roß. Sie wohnt gleich nebenan am Feldhof: „Da kamen immer die Behinderten vor meiner Haustür vorbei. Da bin ich einfach zum damaligen Leiter Guido Bischoff gegangen und habe ihn gefragt: Können Sie mich gebrauchen? Das sei ihm ja noch nie passiert, dass jemand freiwillig mithelfen wolle, war seine Reaktion.“ Sie war dabei.

Heute ist Maria Roß fest in Anne-Kathreins Hagemanns Leben integriert und Anne-Kathreins Leben in ihres. Sie ist - nein: Betreuerin ist Maria Roß längst nicht mehr. Sie ist ihre beste Freundin und gehört schon zur Familie. Als Anne-Kathrein Ende Oktober Geburtstag feierte, musste die ganze Familie kommen - und Maria Roß.

Eine Berufsbezeichnung für diese Art Nachbarschaftshilfe für Behinderte gibt es nicht. Es ist eher eine innere Einstellung. Sie kommt einfach und ist für andere da. Vor allem für Anne-Kathrein. „Für sie ist Maria Roß die wichtigste Bezugsperson geworden“, bestätigt Jule Rudolph, Leiterin der Wohngruppe „Offlum“. „Sie weiß: da kommt jemand von außerhalb des Hauses extra nur für mich. Das ist unglaublich wertvoll für ihr Selbstwertgefühl. Nach den Nachmittagen mit ihr ist sie immer total ausgeglichen und zufrieden“.

„Auch ich nehme jedes Mal etwas mit, sie gibt mir viel“, sagt Maria Roß. „Ich fühle mich richtig wohl dabei“.

Startseite