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„Sieben Leben“: William, der sanfte Wohltäter

Hans Gerhold

Mysteriöser als Will Smith in „Sieben Leben“ ist wohl noch kein Wohltäter durch einen Film gestreift. Er gibt sich als Finanzbeamter aus, schleicht ständig durch Krankenhauskorridore, telefoniert, macht Hausbesuche, ist auf der einen Seite feinfühlig gegenüber anderen, dann wieder geplagt von Zweifeln und gequält von Erinnerungen, die nach etwa 30 Minuten eines der Geheimnisse des Dramas lösen – das Einzige, das man verraten darf.

Offensichtlich hat Ben Thomas, wenn das denn sein wahrer Name ist, bei einem Autounfall den Tod von sieben Menschen verursacht. Er versucht an Hinterbliebenen und anderen ausgesuchten Personen eine Wiedergutmachung der besonderen Art. Wie er dabei vorgeht, macht den Reiz des melancholischen Dramas mit dem sanften Riesen als Wohltäter aus.

Ben beobachtet die glorreichen Sieben darauf hin, ob sie gute Menschen sind, was an und für sich eine unbestimmbare Kategorie ist und folglich auch Rückschläge mit sich bringt. Erst ist man verwirrt ob der ständigen Wechsel zwischen den Personen, bis sich ein Handlungsfaden als der eigentliche herausstellt – eine bewegende Love Story mit Tränenfaktor.

Da hat natürlich eine schöne Frau ihr Herz im Spiel, in diesem Fall Rosario Dawson („Alexander“, „Sin City“), mit der Smith schon in „Men in Black 2“ Bekanntschaft geschlossen hatte. Diesmal geht es an die Substanz, denn Ben verliebt sich in die herzkranke Latina, die dringend ein Spenderorgan benötigt . . .

Smith und Dawson beweisen mit starken schauspielerischen Leistungen ihre dramatische Kompetenz, da es gilt, stille Töne zu transportieren. Smith hat das schon in der Arbeitslosenballade „Das Streben nach Glück“ bewiesen, wo er erstmals unter der Regie des in den USA arbeitenden Italieners Gabriele Muccino spielte.

Dawson hat Mut zum Spiel ohne Schminke, mit Tränensäcken und krankheitsbedingt lethargischen Gesten, was sie sehr schön und getragen vermittelt. Überhaupt hat man den Eindruck, hier einem der intimsten Kammerspiele der letzten Zeit beizuwohnen.

Etwas Humor darf bei den Dauergesprächen über das Sterben aber auch dabei sein. Etwa über den Hund der Schönen, eine dänische Dogge mit siebenjähriger Lebenserwartung. Außerdem hat Emily in ihrer Werkstatt eine prächtige Druckerpresse aus Heidelberg, die Smith wieder zum Laufen bringt. Was kann der eigentlich nicht? Egal, wer Gefühl im Kino sucht, hat bei diesem für eine Mainstream-Produktion subtilen Film einen Treffer gelandet.

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