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Siemers neben Siemers

Münster. „Und einen besonderen Applaus für den Oldie vom THC Münster“, kam es vor rund sechs Jahren aus den Lautsprechern in Leverkusen. Damals hat Dirk Siemers zum x-ten Male seine Karriere als Mittelstürmer beim THC Münster beendet...

Michael Schulte

Münster. „Und einen besonderen Applaus für den Oldie vom THC Münster“, kam es vor rund sechs Jahren aus den Lautsprechern in Leverkusen. Damals hat Dirk Siemers zum x-ten Male seine Karriere als Mittelstürmer beim THC Münster beendet, rund 500 Zuschauer klatschten artig. Und bekundeten damit ihren Respekt vor dem Mann, der mit 37 Jahren noch in der Hockey-Regionalliga mithalten konnte.

„Hey Vadder“, kommt es heute ganz cool rüber, wenn Alexander Siemers seinen Alten Herrn um ein Zuspiel bittet. Seite an Seite stürmt das Siemers-Gespann in der THC-Ersten und will mithelfen, dass die Mannschaft in der Oberliga bleibt.

Der Rücktritt vom Rücktritt ist hausgemacht. „Ich habe mir praktisch schon bei der Geburt unseres Sohnes gesagt, dass ich so lange Hockey spielen möchte, dass wir wenigstens eine Saison in derselben Mannschaft stehen.“ Also ging der Vater mit dem Sohne Anfang des Jahres zum Training. Es galt, körperliche Fitness und spielerische Qualität vorzuführen. Im ersten Halbjahr bei Lutz Könnings, ehe dieser Trainer vom Niederländer Maurits Deckers abgelöst wurde. Siemers/Siemers wurden gesehen und für gut befunden, der 43-jährige Vater und sein 17-jähriger Sohn bilden in der Oberliga ein denkwürdiges Duo. Siemers sr.: „Wenn unsere Gegner das mitkriegen, ernte ich erstaunte Blicke.“

Zum Glück hat sich Vater Dirk immer fit gehalten, wenn er mal wieder seine Karriere beendet hatte. Viermal die Woche Sport, das war und ist normal. Entsprechend wenig Anlaufschwierigkeiten gab es, als er jetzt wieder intensiv einstieg. Die Fitness ist da, keine Frage. „Aber mir reichen nicht zwei Tage, um nach jedem intensiven Einsatz die Muskelverhärtungen zu überwinden.“ Auf Deutsch: Nach den Spielen ist Dirk Siemers zwei Tage nicht zu gebrauchen. Und an Training nicht zu denken.

„Eigentlich bin ich zu alt dafür, aber von der Leistung halte ich noch ganz gut mit“, kann der 43-jährige Geschäftsführer seiner eigenen Firma mit diesem Spagat leben. Mit Vernunft muss ihm sowieso niemand kommen. Hauptsache, es macht Spaß. Ihm und auch dem Sohn. Letzterer bestätigt das. Was soll er auch machen? Aber es ist ihm abzunehmen, schließlich wurde das alles vorher in der Familie besprochen. Nun darf der Junior seinem Vater die Vorlagen servieren, damit der Routinier für den THC trifft.

„Der eigene Erfolg ist mir nicht wichtig. Meine Zeit ist doch vorüber. Ich freue mich mehr, wenn meinem Sohn etwas gelingt, denn er hat hoffentlich noch einiges vor sich.“ Dabei denkt Dirk Siemers garantiert auch an den Golfer Alexander Siemers. Mit Handicap 4 ausgestattet, steht der Schüler in der Clubmannschaft in Wilkinghege; noch läuft alles zum Hockey parallel.

Im THC-Team 2008 stehen 18 Spieler im Kader, von denen acht 17 Jahre jung sind. Für den Leitwolf kein Problem. Er besitzt großes Mitspracherecht, seine Meinung wird gesucht, er ist längst das Sprachrohr der Mannschaft. Dem kommt Dirk Siemers gerne nach, schließlich hat er was zu sagen und verfügt über eine Menge Erfahrung. Wie lange das noch so gehen soll? Da hüllt er sich in Schweigen. „Dieses und nächstes Jahr“, kommt es eher zögerlich. Aber festlegen will er sich nicht. Letztlich gesteht er auch offen ein: „Es ist auch Eitelkeit dabei, dass ich in meinem Alter noch mithalten kann.“ Und natürlich jede Menge Spaß.

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